Der Veľký Kriváň (1.709 m ü. M.) ist der höchste Gipfel der Kleinen Fatra (Malá Fatra), die wiederum das vierthöchste Gebirge der Slowakei ist. Diese Berge zeichnen sich durch außergewöhnliche Schönheit und beträchtliche Höhenunterschiede aus. Zudem liegt die Kleine Fatra so grenznah, dass sie sich ideal für einen Tagesausflug anbietet. In diesem Beitrag beschreibe ich den Aufstieg auf den Veľký Kriváň vom Parkplatz im Vrátna-Tal und die anschließende Wanderung auf dem Hauptkamm des Gebirges über die Gipfel Chleb (1.646 m ü. M.), Hromové (1.636 m ü. M.) und Steny. Vom Grat steigen wir auf dem gelben Wanderweg ab und machen einen Abstecher zur charmanten Schutzhütte Chata na Grúni. Ich lade euch herzlich zu diesem Bericht ein!
INHALTSVERZEICHNIS
- Start im Vrátna-Tal
- Der grüne Wanderweg zum Snilovské sedlo
- Aufstieg zum Gipfel des Veľký Kriváň (1.709 m ü. M.)
- Chleb (1.646 m ü. M.)
- Hromové und Steny
- Chata na Grúni
- Rückkehr ins Vrátna-Tal
- Karte der Tour
Start im Vrátna-Tal
Die Idee für einen Ausflug in die Kleine Fatra entsteht in unseren Köpfen recht spontan. Für das Wochenende ist nämlich strahlender Sonnenschein vorhergesagt, und in der Tatra wurde die Lawinenwarnstufe drei ausgerufen. Man muss also nach würdigen Alternativen suchen, und der Veľký Kriváň scheint diese Rolle perfekt zu erfüllen. In der Kleinen Fatra war ich bisher nur ein einziges Mal (vor ganzen 8 Jahren!) und das auch noch bei komplettem „Milchwetter“ (Nebel). Es ist an der Zeit, in dieses bezaubernde Gebirge zurückzukehren und sich diesmal davon zu überzeugen, welche Aussichten es bietet.
Wir fahren wenige Minuten nach 6 Uhr los, was es uns ermöglicht, uns kurz vor 9 Uhr auf dem Skiparkplatz im Vrátna-Tal einzufinden. Genauer gesagt: Dem Vorbild anderer Autofahrer folgend, lassen wir das Auto auf dem grasbewachsenen Seitenstreifen der Hauptstraße stehen. Warum tun die Leute das, wenn es direkt daneben einige gute, asphaltierte Plätze gibt? Ganz einfach – die befestigten Parkplätze sind kostenpflichtig und der grasbewachsene Seitenstreifen ist völlig kostenlos. Und sag mir jetzt noch einer, dass die Leute nicht überall die gleiche Mentalität haben? Das sieht übrigens ziemlich komisch aus. Der asphaltierte Parkplatz ist völlig leer, der Seitenstreifen bis auf den letzten Platz gefüllt :D.
Wenige Minuten nach dem Verlassen des Autos erreichen wir die geschlossene Schutzhütte Chata Vrátna (750 m ü. M.). Direkt daneben befindet sich die Talstation der Gondelbahn Vrátna – Chleb. Der Lift ist ganzjährig in Betrieb und beeindruckt vor allem durch seine Länge. Die Bahn überwindet auf einmal einen riesigen Höhenunterschied – von etwa 750 auf 1.494 m ü. M., was an sich schon wirklich beeindruckend ist. Sie dient natürlich den Skifahrern, wird aber auch gerne von gewöhnlichen Touristen genutzt, die schnell hoch in die Berge gelangen wollen. Eine Fahrt mit der Seilbahn gehört natürlich nicht zu den billigen Attraktionen – ein normales Ticket kostet ganze 21 Euro, wenn es online gekauft wird, und 24 Euro an der Kasse (Stand 2026; offizielle Website des Resorts).


Der grüne Wanderweg zum Snilovské sedlo
Von der Chata Vrátna starten wir auf dem grünen Wanderweg, der parallel zur Seilbahn verläuft. Zunächst steigen wir auf einem breiten Forstweg auf, etwas abseits der Gondelpfeiler. Auf einer Höhe von ca. 1.050 m ü. M. gehen wir dann direkt unter den Gondelkabinen hindurch und folgen von nun an offenem Gelände. Vom Weg aus bieten sich fantastische Ausblicke in Richtung Süden: auf den felsigen Ausgang des Vrátna-Tals (der mich täuschend echt an das Kościeliska-Tal erinnert!) und die nahegelegenen Gipfel der Kleinen Fatra, der Oravská Magura und der Żywiec-Beskiden (sichtbar sind unter anderem Veľká Rača, Veľká Rycerzová, Rysianka, Romanka und Pilsko).
Der grüne Weg von der Chata Vrátna zum Snilovské sedlo ist knapp 3 Kilometer lang, erfordert aber die Überwindung von ganzen 800 Höhenmetern. Kein Wunder also, dass die Strecke durchgehend sehr steil und unglaublich mühsam ist. Es genügt zu sagen, dass, als mir versehentlich die Thermoskanne aus dem Rucksack fällt, die Flasche in schnellem Tempo über ein Dutzend Meter hinabrutscht und erst von einem anderen Touristen aufgefangen wird. Der Aufstieg wird durch den auf dem Hang liegenden Schnee nicht erleichtert, der durch die stark scheinende, fast frühlingshafte Sonne sehr aufgeweicht ist. Wir gewinnen also ziemlich schnell an Höhe, aber die zurückgelegten Kilometer sind gering.




Nach knapp zwei Stunden intensiven Aufstiegs melden wir uns an der Bergstation der Gondelbahn auf einer Höhe von 1.494 m ü. M. Im Gebäude befindet sich das Restaurant Panorama, das über eine weitläufige Aussichtsterrasse verfügt. Einen Moment lang zögern wir, ob wir nicht die auf der Speisekarte stehende Buchta (eine slowakische, fluffige Hefebuchtel, z. B. mit Schokolade gefüllt) bestellen sollen, entscheiden uns dann aber vernünftigerweise dafür, dass 3 Kilometer Fußmarsch noch zu wenig für derartige Belohnungen sind. Wir verlassen also das Restaurant und befinden uns nur 5 Minuten später auf dem Snilovské sedlo (1.524 m ü. M.), dem Sattel, der den Veľký Kriváň vom Chleb trennt.



Aufstieg zum Gipfel des Veľký Kriváň (1.709 m ü. M.)
Am Snilovské sedlo biegen wir rechts ab und folgen weiter dem roten Wanderweg, der über den Hauptkamm der Kleinen Fatra verläuft. Entlang der Strecke sind Orientierungsstangen aufgestellt, die aber bei den heutigen Bedingungen und der Menge an Menschen nicht sonderlich nötig sind. Die günstigen Vorhersagen haben sich bewahrheitet, sodass wir von allen Seiten von unglaublichen Panoramen auf die nahegelegenen Gebirgszüge umgeben sind. Da der Nationalpark Kleine Fatra (Národný park Malá Fatra) das Mitführen von Hunden erlaubt, wimmelt es auf dem Weg nur so von verspielten, glücklichen Vierbeinern. Was soll man sagen – Winter wie im Märchen und die Kleine Fatra von ihrer absolut besten Seite :D.
Der Aufstieg auf den Veľký Kriváň von der Seite des Snilovské sedlo ist kurz und recht sanft (knapp 200 Höhenmeter auf einer Distanz von 1,1 Kilometern). Auf einer Höhe von etwa 1.640 m ü. M. zweigt ein kurzer Abstecher vom Hauptweg ab, der uns auf den Gipfel führt. Der Aufstieg hat einen reinen Trekking-Charakter ohne jegliche felsige Elemente. Auf diese Weise erreichen wir den Veľký Kriváň (1.709 m ü. M.) um 11:45 Uhr, also nach ca. 3 Stunden Wanderung.


Der Veľký Kriváň bietet ein traumhaftes Panorama auf die gesamten beiden Teile der Kleinen Fatra – den Kriváň-Teil (Krivánska Malá Fatra) und den Lúčanská-Teil (Lúčanská Malá Fatra), die Westtatra, das Choč-Gebirge, die Niedere Tatra, die Große Fatra, die Strážov-Berge, das Kysuce-Bergland (Kysucká vrchovina), die Oravská Magura und die Żywiec-Beskiden. Alles ist fantastisch zu sehen, in wahrhaft winterlicher FullHD-Qualität. Das einzige Manko bleibt der stark wehende Wind, der uns nach ca. zehn Minuten vom Gipfel vertreibt. Nichtsdestotrotz wächst der Veľký Kriváň in meinem Kopf in den Rang der schönsten slowakischen Gipfel hinein, die ich das Vergnügen hatte zu besteigen.





Chleb (1.646 m ü. M.)
Gemäß dem ursprünglichen Plan wollten wir uns vom Veľký Kriváň auf den Malý Kriváň begeben und dann über den blauen und grünen Wanderweg ins Tal zurückkehren. Auf dem Gipfel beschließen wir jedoch, den Verlauf unserer heutigen Runde zu ändern. Trotz der allgemeinen Überfüllung auf den Wegen sehen wir niemanden, der auf den Malý Kriváň geht (was automatisch Fragen zur Lawinengefahr dieser Variante aufwirft). Schließlich entscheiden wir uns einstimmig dafür, über den Chleb zu gehen und dann zur Chata na Grúni abzusteigen. Also los geht’s!
Vom Veľký Kriváň steigen wir auf dem gleichen Weg ab, auf dem wir heraufgekommen sind, also zum Snilovské sedlo. Dort gehen wir auch geradeaus weiter und passieren die verlassenen Gebäude der ehemaligen Skigebietsinfrastruktur. Der Aufstieg auf den Chleb ist noch sanfter als der Weg zum Veľký Kriváň: 110 Höhenmeter auf 1,1 Kilometer verteilt. Wegen der Nähe der Bergstation der Gondelbahn gibt es hier wirklich viele Leute.
Wie schon auf dem Veľký Kriváň weht auch auf dem Chleb (1.646 m ü. M.) ein schrecklicher Wind. Wir verbringen hier also nicht allzu viel Zeit und setzen unseren Marsch auf dem Hauptkamm der Kleinen Fatra fort. Die Aussichten sind die ganze Zeit über hervorragend. Ich habe das Gefühl, sie mit meinem ganzen Körper aufzusaugen, mit jedem Schritt wächst meine Begeisterung nur noch weiter. Es ist hier einfach göttlich…




Hromové und Steny
Vom Chleb steigen wir zum Pass Hromové sedlo (1.590 m ü. M.) ab und gehen dann zu einem kurzen, aber recht intensiven Aufstieg zur Erhebung Hromové (1.636 m ü. M.) über. Aufsehen erregen die allgegenwärtigen Skitourengeher, die sorglos über die weiten weißen Felder wedeln… Oh je, muss das angenehm sein! Das würden wir auch gerne mal machen!


Nach dem Erreichen der Erhebung Hromové setzen wir den Ausflug auf einem länglichen Abschnitt des Grates fort, der den Namen Steny („Wände“) trägt. Der Kamm wird hier unglaublich schmal, und seine Hänge fallen sehr steil in die benachbarten Täler ab – das Vrátna-Tal im Westen und das Šútovská-Tal im Osten. Die Neigung ist so groß, dass hier im Winter manchmal Lawinen abgehen. Unserer Einschätzung nach ist der Ort wirklich beeindruckend. Zwar wussten wir, dass in der Kleinen Fatra große relative Höhenunterschiede auftreten, aber solch steile Hänge hatten wir eher nicht erwartet.
Neben der Steilheit zieht auch das Panorama auf den Stoh und den Veľký Rozsutec, also auf zwei nahegelegene Gipfel des Hauptkamms der Kleinen Fatra, meine Aufmerksamkeit auf sich. Der Anblick ist insofern besonders, als sich die Gipfel geradezu diametral unterscheiden. Der Stoh ist sanft und massiv, während der Rozsutec felsig und hoch aufragend ist. Es sieht ein bisschen so aus, als hätte sich jemand aus zwei völlig unterschiedlichen Gebirgen jeweils einen Berg ausgeliehen und beschlossen, sie nebeneinander zu stellen. Ein bisschen wie Tag und Nacht, aber in einer Bergversion :D.
Während unserer Gratwanderung begegnen wir vielen Skitourengehern. Alle bleiben jedoch auf dem Weg, niemand entscheidet sich für eine verrückte Abfahrt über einen der beiden steilen Hänge. Wenn wir uns umdrehen, sehen wir hingegen das Panorama auf den Veľký Kriváň, der sich von hier aus einfach wahnsinnig toll präsentiert.





Chata na Grúni
Wenn wir weiter auf dem roten Wanderweg wandern, erreichen wir eine weitere Graterhebung – den Poludňový grúň (1.480 m ü. M.). An dieser Stelle verlassen wir den Hauptkamm der Kleinen Fatra und beginnen den Abstieg auf dem gelben Wanderweg. Der Hang ist hier so steil, dass es eigentlich schwer ist zu gehen – die Beine verfallen von selbst in einen leichten Trab. Wir steigen also zügigen Schrittes ab und versuchen, mit den über die Schuhe gezogenen Grödeln zu bremsen. Das gelingt so gut, dass wir uns schon wenige Minuten später 250 Meter tiefer bei der Bergstation eines der hiesigen Schlepplifte befinden.



Der gelbe Wanderweg führt weiter den Hang hinab, direkt entlang der Skipiste. Da heute doch einige Leute den Hang hinunterfahren, halten wir uns so weit wie möglich am Rand und versuchen, diesen Abschnitt so zügig wie möglich zu bewältigen. Erst später fällt uns auf, dass andere Wanderer den Hang entlang des Schlepplifts hinabsteigen, was tatsächlich eine viel vernünftigere Option zu sein scheint.
Um 14 Uhr erreichen wir die bezaubernde Chata na Grúni (970 m ü. M.), die am höchsten gelegene Schutzhütte im Vrátna-Tal. Das Objekt verfügt über 45 Schlafplätze und gehört verwaltungstechnisch zum Dorf Terchová. Laut der offiziellen Website wurde die Schutzhütte 1949 von Jaroslav Tejnský, dem Mitbegründer des Bergrettungsdienstes im Vrátna-Tal, gegründet. Anschließend wurde das Objekt zwei grundlegenden Modernisierungen unterzogen: in den Jahren 1992 und 2010. Heute herrscht in der Schutzhütte ein geradezu alpines Klima. Skifahrer von den nahegelegenen Liften ruhen sich auf Liegestühlen aus und genießen die fantastisch scheinende Sonne.



Rückkehr ins Vrátna-Tal
Von der Chata na Grúni erwartet uns noch ein 2,5 Kilometer langer Abstiegsabschnitt zurück zum Parkplatz im Vrátna-Tal. Der Abschnitt vergeht bei einem angenehmen Spaziergang durch den Wald. Der Weg ist stellenweise leicht vereist, aber im Allgemeinen bereitet uns der Abstieg keine größeren Probleme. So erreichen wir, erfüllt von Sonne und guter Energie, eine Viertelstunde vor 15 Uhr wieder das Auto. Der gesamte Ausflug dauerte knapp 6 Stunden, den Großteil davon verbrachten wir inmitten märchenhaft schöner Panoramen.
Einen interessanten Akzent entdecken wir auch ganz am Schluss bei der Abfahrt. Die Straße durch das Vrátna-Tal führt nämlich in unmittelbarer Nähe von wunderschönen, fantasievollen Karstformationen vorbei. Die Kleine Fatra ist ohnehin bekannt für ihre zahlreichen Schluchten und Felsen, die in der montanen Stufe rund um Terchová und den Veľký Rozsutec zahlreich auftreten. Ich hoffe, dass ich bald hierher zurückkehre, um auch diese unbestreitbare Besonderheit dieses Gebirges genau zu erkunden.
Der Großteil der Monate Januar und Februar 2026 war reich an sehr hässlichen, düsteren Tagen. Über die Sonne habe ich mich also doppelt gefreut, da ich mich buchstäblich so fühlte, als wäre ich nach einer langen Zeit in der Dunkelheit aus einer Höhle gekommen. Die Kleine Fatra hat einen unglaublichen Eindruck auf uns gemacht und sich, wie ich glaube, dauerhaft in meinem Herzen eingenistet. Ich kann es nur wärmstens empfehlen!
Datum des Ausflugs: 28. Februar 2026
Statistiken des Ausflugs: 14 km; 1.150 Höhenmeter
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