Der Sulzkogel (3.016 m ü. A.) ist ein wunderschöner Gipfel in den Stubaier Alpen im österreichischen Teil Tirols. Die Möglichkeit, das Trekking auf einer beachtlichen Höhe (2.020 m ü. A.) zu beginnen, sowie das Fehlen technischer Schwierigkeiten machen den Gipfel zu einem der am leichtesten zu erreichenden Dreitausender der Alpen. Er eignet sich zudem hervorragend zum Aufwärmen und zur Akklimatisation vor anspruchsvolleren Touren in der Region. Der Neunerkogel (2.640 m ü. A.) liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sulzkogel und stellt eine gute Option für all jene dar, die ihre Wanderung verlängern möchten. In diesem Beitrag beschreibe ich den Aufstieg auf beide Gipfel vom Ort Kühtai aus.
Inhalt
- Der Ort Kühtai
- Von Kühtai zum Speicher Finstertal
- Der Sulzkogel (3.016 m ü. A.) vom Speicher Finstertal aus
- Sulzkogel – der Gipfel
- Besteigung des Neunerkogels (2.640 m ü. A.)
- Abstieg vom Neunerkogel
- Tourkarte
Der Ort Kühtai
Wir beginnen den Tag auf dem Campingplatz Branger Alm in der Nähe von Innsbruck. Nach einem gemütlichen Frühstück und dem Morgenkaffee steigen wir ins Auto und nehmen Kurs auf den Ort Kühtai. Die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde und ist bereits ein Erlebnis für sich: Auf einer Strecke von nur etwa fünfzehn Kilometern fahren wir von ca. 600 m ü. A. auf stolze 2.020 m ü. A. hinauf. Außerdem liebe ich es, durch die österreichischen Dörfer zu fahren: Alle sind so sauber, blumengeschmückt und charmant.
Kühtai (2.020 m ü. A.) entpuppt sich als typische Siedlung für den Wintersport, bebaut mit einer Reihe ästhetischer Apartmenthäuser. Das Auto stellen wir auf einem kostenlosen Parkplatz an der Hauptstraße ab. Im Winter muss der Ort vor Leben strotzen, aber mitten im Sommer macht er einen etwas verlassenen Eindruck. Dennoch gibt es hier einen Laden für Souvenirs und Lebensmittel. Meine Aufmerksamkeit erregt eine Informationstafel, die die Regeln der Rad-Challenge „Kühtai Rodeo“ erläutert. Bei der Herausforderung geht es darum, den Ort von drei Startpunkten aus anzufahren: Kematen, Haiming und Ötz. Die gesamte Strecke umfasst 122 Kilometer bei 4.250 Höhenmetern. Wer die Challenge an einem Tag abschließt, erhält den ehrenvollen Titel „Kühtai Cowboy“ bzw. „Kühtai Cowgirl“. Wow, und ich dachte, ich wäre ganz fit, weil ich es schaffe, mit dem Fahrrad zum Krowiarki-Pass zu fahren :P.


Von Kühtai zum Speicher Finstertal
Nur 200 Meter nach dem Verlassen des Parkplatzes lassen wir die Gebäude von Kühtai hinter uns. Da der Ort in einem weitläufigen Pass liegt, beginnen wir fast sofort mit dem eigentlichen Aufstieg. Wir wandern nun durch offenes, grasbewachsenes Gelände, und der Weg führt über einen erdigen, für die Schuhe bequemen Pfad. Hinter unserem Rücken öffnet sich relativ schnell ein wunderschönes Panorama auf den Pirchkogel (2.828 m ü. A.) und die Felsmauer der Irzwände. Die erste Etappe ist ziemlich steil: Auf nur zwei Kilometern Distanz gewinnen wir 350 Höhenmeter. Die meiste Zeit führt der Pfad über einen Grashang, aber über kurze Abschnitte verläuft er auch entlang eines Schotterwegs, der Teil der Infrastruktur des Wasserkraftwerks ist.




Gegen 11:00 Uhr, eine Stunde nach dem Verlassen des Parkplatzes, erreichen wir den malerischen Speicher Finstertal (2.300 m ü. A.). Es ist das Oberbecken des gewaltigen Pumpspeicherkraftwerks Sellrain-Silz. Er kann bis zu 60 Millionen m³ Wasser fassen und entstand durch die Erweiterung zweier zuvor existierender, kleiner Karseen. Der Speicher ermöglicht die Nutzung eines enormen Höhenunterschieds – ganze 1.680 Meter im Vergleich zum Kraftwerk in Silz im Inntal (ca. 640 m ü. A.). Der gesamte Mechanismus funktioniert so, dass das Wasser zuerst aus der Höhe herabstürzt, dabei spezielle Turbinen antreibt und anschließend mittels Pumpen wieder nach oben gedrückt wird. Allein dieser Speicher kann ca. 231 Millionen kWh Energie liefern (das entspricht dem Jahresverbrauch von 50.000–60.000 Haushalten). Der Staudamm wurde in den Jahren 1977-1980 erbaut und ist 149 m hoch. Zu seiner Aufschüttung wurden 4,5 Mio. m³ vor Ort gewonnenen Gesteins verwendet. Im Inneren der Mauer befindet sich ein spezieller Kern aus Asphaltbeton, der die gesamte Konstruktion abdichtet. Zur ständigen Überwachung der Dichtheit haben Ingenieure vorsorglich 700 Spezialsensoren eingebaut.
Sowohl das Becken selbst als auch der Staudamm machen auf mich einen sehr soliden Eindruck. Neben den technischen Vorzügen spielen auch die ästhetischen eine Rolle. Das Wasser hat eine wunderschöne türkise Farbe, die hervorragend mit den umliegenden Gipfeln harmoniert. Über dem Speicher thront der mächtige Zwölferkogel (2.988 m ü. A.) mit einem auf dem Gipfel glänzenden Kreuz. Ein herrlicher Ort für ein zweites Frühstück :D.





Der Sulzkogel (3.016 m ü. A.) vom Speicher Finstertal aus
Die nächsten anderthalb Kilometer verbringen wir mit der Umrundung des Speichers. Etwa 4,5 Kilometer nach dem Start erreichen wir eine Weggabelung: Links zweigt der Gubener Weg in Richtung Schweinfurter Hütte ab, rechts unser Pfad zum Sulzkogel. In diesem Moment beginnt die schwierigste Etappe der heutigen Tour, bei der wir knapp 700 Höhenmeter auf einer Distanz von 2,3 Kilometern bewältigen müssen. Ziemlich steil, oder?
Anfangs führt der Weg über einen Erdpfad entlang des kleinen Finsterbachs. In dieser Phase des Aufstiegs bietet sich uns ein schöner Blick auf namenlose Wasserfälle und auf einen steinigen Hügel, der uns das Hauptziel der heutigen Tour – den Sulzkogel – noch verdeckt. Kurz darauf überqueren wir den Finsterbach, und unser Weg wird zunehmend gerölliger. Die Spur ist gut sichtbar und die Markierung dicht, sodass die Wahl der richtigen Marschrichtung keine Probleme bereitet. Von links umgehen wir eine Felsstufe, von der charakteristische Wasserfälle herabstürzen. Wir befinden uns nun in einem kleinen, steinigen Tal, das auf einer Seite durch einen vom Sulzkogel abzweigenden Seitengrat und auf der anderen Seite durch die Hänge der Gipfel Gamskögele (2.912 m ü. A.) und Gamskogel (2.965 m ü. A.) begrenzt wird.


Die nächsten Viertelstunden verbringen wir mit dem mühsamen Aufstieg durch das Blockmeer. Die Orientierung im steinigen Gelände wird dadurch erleichtert, dass der Weg weiterhin hervorragend markiert ist. Die Route hat rein alpinen Wandercharakter – auf der gesamten Länge gibt es keine technischen Schwierigkeiten. Man muss lediglich auf lose Steine achten, die unter den Füßen nachgeben oder gelegentlich vom Hang herabrollen können. Gegen 13:20 Uhr erreichen wir eine deutliche Scharte im Hauptgipfelgrat (2.950 m ü. A.). Der Weg knickt nun um 90 Grad nach rechts ab, und der Gipfel des Sulzkogels wird voll sichtbar.




Sulzkogel – der Gipfel
Noch einige Minuten steigen wir durch das Blockwerk hinauf und… geschafft! Um 13:35 Uhr, dreieinhalb Stunden nach dem Aufbruch in Kühtai, erreichen wir den Gipfel des Sulzkogels (3.016 m ü. A.). Auf dem Gipfel befinden sich gleich zwei Kreuze sowie ein traditionelles Gipfelbuch für Erinnerungseinträge. Für österreichische Verhältnisse sind recht viele Menschen auf dem Gipfel.
Der Sulzkogel bedeutet für mich die Rückkehr auf die 3.000er-Marke nach einer längeren Pause (das letzte Mal war ich vor über zwei Jahren so hoch, auf dem Pico de Aneto, dem höchsten Gipfel der Pyrenäen). Für Jaromir ist es der erste Gipfel mit einer Drei vorne – ein wichtiger Moment im Leben eines jeden Bergsteigers, herzlichen Glückwunsch! Auf dem Gipfel des Sulzkogels verbringen wir gute 40 Minuten. Zufrieden essen wir unsere Snacks, knipsen Fotos und genießen das unglaubliche Panorama. Vom Sulzkogel aus sieht man hervorragend das tief unten schimmernde Rückhaltebecken, die umliegenden Täler und Dutzende Gipfel der Stubaier Alpen. Im Norden, auf der anderen Seite des Inntals, sind auch andere Gebirgszüge der Nördlichen Kalkalpen auszumachen. Beim Blick nach Südosten beeindruckt die gewaltige Größe der Stubaier Gletscher.






Vom Sulzkogel steigen wir auf demselben Weg ab, auf dem wir gekommen sind. Einen anderen Weg gibt es ohnehin nicht, da der Gipfel von jeder anderen Seite deutlich schwerer zugänglich ist. Es ist zwar derselbe Pfad, aber wenn man ihn von der anderen Seite betrachtet, wirken viele Dinge anders. Erst jetzt bemerke ich die (auf Steinen!) grasenden Schafe und zwei türkisfarbene Bergseen auf ca. 2.650 m ü. A. Eine längere Pause machen wir an der Weggabelung. Ich liege am Grashang, esse leckere Nüsse und denke mir… ich denke, dass alles in bester Ordnung ist. Ich habe die österreichischen Berge sehr vermisst und bin sehr glücklich, dass mich das Schicksal wieder hierher geführt hat.



Besteigung des Neunerkogels (2.640 m ü. A.)
Wir sind noch vor 16:00 Uhr wieder am Ufer des Speichers, was uns die Gelegenheit gibt, die Wanderung um einen zusätzlichen Berg zu verlängern. Nach einer kurzen Kartenanalyse fällt die Wahl auf den nahegelegenen Neunerkogel, der sich auf eine Höhe von 2.640 m ü. A. erhebt. Der Weg zu diesem Gipfel zweigt unweit der Staumauer vom Hauptweg ab. Dieser Abschnitt ist rein wandertechnisch – der Pfad führt über einen Erdweg ohne technische Schwierigkeiten oder loses Geröll. Man muss jedoch zugeben, dass der Aufstieg recht ordentlich ist – wir gewinnen 300 Höhenmeter auf einer Distanz von nur 700 Metern. Die Anstrengung ist also kurz, aber unglaublich intensiv.
Den Gipfel des Neunerkogels (2.640 m ü. A.) erreichen wir um 16:45 Uhr. Da wir es nun nicht mehr eilig haben, können wir uns ein längeres Verweilen auf dem grasbewachsenen Gipfel erlauben. Martyna fängt sogar an, Yoga zu machen :D. Was die Aussicht betrifft, habe ich den Eindruck, dass sie sogar noch schöner ist als die, die wir vor ein paar Stunden auf dem Sulzkogel erlebt haben. Der Wasserspiegel des Speichers sieht von hier aus wunderschön aus und harmoniert perfekt mit den umliegenden Gipfeln. Besonders gut gefällt mir auch der Blick nach Norden, der den Kühtai-Sattel, den Pirchkogel (2.828 m ü. A.) und die Felswand der Irzwände umfasst. Ideal…




Abstieg vom Neunerkogel
Beim Abstieg vom Neunerkogel erwartet uns noch eine weitere alpine Attraktion. Auf unserem Weg treffen wir… ein echtes Murmeltier! Das Tier zeigt uns eine ganze Weile neugierig sein flauschiges Gesicht, bevor es zwischen den Steinen verschwindet. Awww, was für ein süßer Kerl! Nach dieser netten Unterbrechung setzen wir den Abstieg in Richtung Kühtai fort. In den Stubaier Alpen ist bereits ein warmer, seliger Abend angebrochen, weshalb der Abstieg wirklich angenehm vergeht. Zahlreiche Kühe, die träge auf den weiten Wiesen grasen, tragen zum Charme bei. Mit einem Wort – Idylle.
Wir erreichen Kühtai eine Viertelstunde vor 19:00 Uhr. Wir packen schnell unsere Sachen ins Auto, um es noch vor Ladenschluss des letzten Supermarkts in der Gegend zu schaffen. Übrigens – glaubt ihr, dass die meisten Lebensmittelgeschäfte in Österreich genau um 19:00 Uhr schließen? In solchen Momenten lernt man die polnischen Żabka-Läden sehr zu schätzen… Aber zurück zum Sulzkogel… das war ein wirklich gelungener Tag! Vielleicht war es nicht die ehrgeizigste alpine Eskapade, aber sie hat jede Menge gute Emotionen, eine positive Erschöpfung und pures Staunen beschert. Und morgen? Morgen haben wir vor, noch höher hinaus zu steigen – der Schrankogel wartet!
Datum der Tour: 7. August 2025
Tour-Statistik: 15,3 km; 1.580 Höhenmeter
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