Die Pyramida (2.510 m n.p.m.) ist der höchste Gipfel des Giona-Gebirges (Gkiona) sowie der fünfthöchste in ganz Griechenland (und darüber hinaus der höchste südlich des Olymps). Das Massiv befindet sich in der Region Phokis in Mittelgriechenland, zwischen den Gebirgszügen Parnass und Vardousia. Unter dem Namen Aselenon Oros kannten die Alten den Berg bereits in der Antike. Dem Mythos nach bewohnte den Gipfel der Hirte Endymion, der Sohn von Pyrrha und Deukalion – einem Paar, das die große Sintflut überlebt hatte. In den schönen Jüngling verliebte sich Selene, die Göttin und Personifizierung des Mondes. Die Alten erzählten, dass die Unsterbliche, wann immer sie zur Pyramida kam, um sich mit ihrem Geliebten zu vereinen, die ganze Welt in Dunkelheit zurückließ, völlig ohne das Licht des Mondes.
Wandertechnisch ist die Pyramida auf verschiedene Arten zugänglich. Die leichteste Variante zum Gipfel führt von Nordosten – aus dem Dorf Kaloskopi [Καλοσκοπή] – und sieht die Bewältigung von 11 km pro Strecke sowie 1.400 Höhenmetern vor. Etwas längere Wege führen von Norden – aus Panourgias [Πанουργιάς] – 12 km und 1.500 m sowie aus Stromi [Στρώμη] – 13,5 km und 1.630 m. Nach einem langen, mühsamen Marsch kann die Pyramida auch von Osten her bezwungen werden – aus der Siedlung Viniani [Βίνιανη] – 15,5 km und 2.050 m.
Ich persönlich wähle eine ganz andere Variante, nämlich den Weg von der Westseite aus, von dem kleinen Ort Sykia [Συκέα]. Der Weg unterscheidet sich von den anderen Routen vor allem durch seine Steilheit – über 1.800 Höhenmeter werden hier auf einer Distanz von nur 5,5 Kilometern überwunden. Es ist also kein Wunder, dass die Steigung fast sofort sehr scharf wird und sich auf der Strecke zahlreiche Elemente befinden, die den Einsatz des Oberkörpers erfordern oder sogar mit Ketten gesichert sind. Der Weg trägt den Namen von Dimitris Karagiannis – einem griechischen Bergsteiger, der diesen Pfad in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts anlegte. Ein zusätzlicher Vorteil dieser Variante ist, dass man auf einer anderen Strecke zurückkehren kann – einem längeren Umweg –, was die Gestaltung eines interessanten Rundwegs ermöglicht.
Ich lade euch herzlich zum Bericht von dieser fantastischen Expedition ein!
- Ein paar Worte zur Logistik im Gkiona-Massiv
- Start im Ort Sykia
- Wanderung entlang der gelben Markierungen
- Erste Schritte auf dem Karagiannis-Steig
- Karagiannis-Steig – technische Schwierigkeiten
- Aufstieg über den Karagiannis-Steig
- Pyramida – der Weg zum Gipfel
- Wanderung über die weiten Almen am Fuße der Pyramida
- Abstieg über den „Umweg“ des Karagiannis-Steigs
- Wanderkarte
Ein paar Worte zur Logistik im Gkiona-Massiv
Wie es oft bei Bergplänen ist, habe ich von der Pyramida ganz zufällig erfahren. Einer der wichtigsten Punkte meiner Solo-Expedition nach Griechenland war nämlich die archäologische Stätte in Delphi sowie das darüber liegende Parnass-Gebirge. Als ich die Details dieses Ausflugs plante, schob ich die Karte etwas nach links… und erblickte das Gkiona-Massiv mit einer beeindruckenden Höhe von 2.510 m. Schon nach einer kurzen Recherche wusste ich, dass ich dort hinauf will, und reservierte für diesen Zweck einen kompletten, separaten Tag in Griechenland.
Schnell stellt sich heraus, dass das Gkiona-Massiv, um es gelinde auszudrücken, nicht gerade der touristischste Ort ist. Im Internet finde ich kaum eine Handvoll Einträge über diesen Gipfel, und keiner davon scheint mir übermäßig erschöpfend zu sein. Auch auf YouTube sehe ich mir nur kurze Zusammenschnitte an, die sich eher auf die Landschaften als auf die realen Schwierigkeiten des Karagiannis-Pfades konzentrieren. Im 21. Jahrhundert fährt man selten in so wenig beschriebene Berge, aber dieser Umstand steigert nur meine Aufregung.
Da die touristische Infrastruktur im Gkiona-Massiv praktisch nicht existiert, habe ich auch große Probleme, eine passende Unterkunft zu finden. Zwar finde ich Informationen über eine Studentenherberge in Sykia, aber das Objekt antwortet nicht auf die von mir gesendete E-Mail. Letztendlich entscheide ich mich daher für eine Übernachtung in einem günstigen Hotel in Delphi. Bis zum Start des Weges in Sykia habe ich von hier 75 Kilometer, was einer Fahrzeit von 1 Std. 15 Min. entspricht. Das ist etwa so viel wie von Krakau zum Krowiarki-Pass, also insgesamt nicht schlecht… Ich bewege mich in Griechenland mit einem Mietwagen fort, was mir ohnehin als die bequemste und wunderbarste Art erscheint, dieses Land zu erkunden.


Start im Ort Sykia
Da ich es mir vorgenommen hatte, verlasse ich kurz nach 6 Uhr mein Hotel in Delphi und steige noch recht verschlafen ins Auto. Mein erstes Ziel ist das Städtchen Amfissa, wo ich hoffe, ein geöffnetes Lebensmittelgeschäft zu finden. Und tatsächlich: In einem der kleinen Läden gelingt es mir, sowohl ein paar Leckereien für den Weg als auch einen leckeren Kaffee zu kaufen. Es fängt gut an!
Über die nächsten Kilometer umrunde ich das Gkiona-Massiv von Norden. Ich passiere den Ort Kaloskopi und biege dann auf eine fantastische Panoramastraße ab. Ein paar Wolken ziehen leider schon auf, aber ich hoffe inständig, dass sie in den späteren Stunden von der stark scheinenden Sonne vertrieben werden. Am Ende des fahrerischen Teils der heutigen Expedition fahre ich in das tiefe Tal des Flusses Mornos (Μόρνος) ein, das die Massive Gkiona und Vardousia trennt. Zu meiner Linken bemerke ich gewaltige Felswände, die deutlich für den alpinen Charakter des Gebirges sprechen.
So komme ich gegen 8.30 Uhr auf einem kleinen Parkplatz im Ort Sykia an, der auf einer Höhe von etwa 710 m n.p.m. liegt. Die winzige Siedlung wirkt wie zwischen zwei mächtige Gebirgszüge gepresst, was ihr zweifellos viel Charme verleiht. Also dann… fangen wir an zu wandern!


Wanderung entlang der gelben Markierungen
Der Zustiegsweg von Sykia zum Karagiannis-Steig ist etwa 2 km lang und erfordert die Überwindung von stolzen 400 Höhenmetern. Er ist gelb markiert – im Gelände sind das hauptsächlich Punkte, die auf die Felsen gemalt sind, sowie Kunststoffschilder. Eine zusätzliche Orientierungshilfe bietet ein langer Gummischlauch, der fast die ganze Zeit am Pfad entlangläuft.
Auf den ersten paar hundert Metern ist der Abschnitt relativ flach und führt über einen breiten Feldweg. Mit der Zeit nimmt die Neigung deutlich zu, und aus dem gemütlichen Spaziergang wird allmählich ein fordernder, konditioneller Aufstieg. Die Anstrengung wird durch den Blick auf die gewaltige Wand der Pyramida belohnt, die direkt vor mir aufragt. Sie hat eine relative Wandhöhe von 1.100 Metern, was sie zur höchsten Wand Griechenlands macht (und laut einigen Quellen – des gesamten Balkans). Zum Vergleich: Die Wand des Kleinen Kežmarský štít (Weberovka) misst etwa 900 Meter. Aufgrund dieser enormen Ausmaße wird der Ort für Mehrseillängen-Felsklettern genutzt. Der von mir gewählte Weg – der Karagiannis-Steig – dient in diesem Fall als Notabstieg aus der Wand.
Hinter meinem Rücken erstreckt sich ein weites Panorama auf das benachbarte Vardousia-Gebirge, dessen höchster Gipfel – der Korakas – stolze 2.495 m n.p.m. misst.
Auf einer Höhe von etwa 1.150 m n.p.m. biegt der Zustiegsweg scharf nach rechts ab, ändert seine Richtung um 90 Grad und geht in eine fast einen Kilometer lange Querung über.





Erste Schritte auf dem Karagiannis-Steig
Nach etwa zwei Kilometern ab Sykia erreiche ich den Punkt, an dem meine geplante Rundtour beginnt und endet. Bergauf zweigt ein rot markierter Pfad ab, während der gelbe Weg weiter geradeaus führt. Ich werde die Tour zum Gipfel auf der erstgenannten Variante fortsetzen und sollte am Ende über die zweite zurückkehren.
Während der gelb markierte Pfad navigations technisch problemlos war, verlangt mir der rote von Beginn an einiges ab. Der Weg windet sich völlig unintuitiv am steilen Hang hinauf, sodass es mir extrem schwerfällt, irgendeinen Marschrhythmus zu finden. Zudem vermischt sich der Pfad oft mit einem dichten Netz anderer, ähnlicher Steige, was die Beibehaltung des korrekten Routenverlaufs wirklich mühsam macht. Die einzige Möglichkeit, den Weg nicht zu verlieren, ist das konsequente „Sammeln“ der Markierungen – sobald ich einen roten Punkt erreiche, suche ich sofort den nächsten. Erschwert wird das Ganze durch den totalen Mangel an Handyempfang und die beachtliche Steigung des Hangs.
Aber egal wie schwer es ist – ich denke nicht ans Aufgeben. Und tatsächlich – fast pünktlich um 10 Uhr (anderthalb Stunden nach dem Start am Parkplatz) erreiche ich einen charakteristischen roten Pfeil. Dies ist das Zeichen, dass ich nun den „eigentlichen“ Teil des Karagiannis-Steigs betrete, der durch künstliche Sicherungen und zahlreiche Scrambling-Passagen gekennzeichnet ist.



Karagiannis-Steig – technische Schwierigkeiten
Der erste der angetroffenen Felsen bereitet mir etwas Probleme. Feucht, mit Moos bedeckt… wie soll ich da hochkommen? Ich finde jedoch schnell einen einfachen Weg und gehe glatt zu den nächsten technischen Schwierigkeiten über. Einige Minuten später beginne ich die Wanderung über Abschnitte, die mit Eisenketten gesichert sind, ähnlich wie man sie von Klettersteigen kennt.
Mein Hauptproblem wird nun das Wetter. Der Himmel zieht sich mit dichten Wolken zu, und kurz darauf landen die ersten Regentropfen auf meinem Kopf. Da das Gelände, das ich gerade durchquere, Rutschgefahr birgt, beschließe ich, kurz innezuhalten und den Schauer abzuwarten. Zum Glück zieht der Regen recht schnell vorbei, was mir die zügige Fortsetzung des Marsches ermöglicht. Die Stimmung bleibt jedoch düster und sonnenlos. Schade… aber vielleicht reißt es auf, bis ich am Gipfel bin?



Aus den Informationsfetzen, die man über den Karagiannis-Steig im Internet finden kann, geht hervor, dass der Weg eine Bewertung von 3 auf der Yosemite-Skala hat (was I auf der UIAA-Skala entspricht). Laut den Berichten, die ich gefunden habe, ist die Passage stark felsig und erfordert einen guten Umgang mit Exposition. Mental bereite ich mich also auf Scrambling vor, eine Zwischenform zwischen gewöhnlichem Trekking und vollwertigem Klettern. Die Realität sieht etwas anders aus. Den Abschnitt mit den Ketten durchquere ich in wenigen Minuten, und weitere Elemente, die den Einsatz der Hände erfordern, sind eher Mangelware. Auf die zweite größere Felswand stoße ich etwa 3,5 Stunden nach dem Aufbruch in Sykia, aber auch diese bereitet mir keine größeren Probleme. Wenn ich also ehrlich sein soll, kann ich hier keine großen technischen Schwierigkeiten erkennen.



Aufstieg über den Karagiannis-Steig
Trotzdem würde ich nicht sagen, dass der Karagiannis-Steig ein einfacher Weg ist. Die Neigung ist die ganze Zeit über beträchtlich und bietet nur sehr wenige Momente zum Verschnaufen. Während ich Steilheiten oft als „effizientes Gewinnen von Höhenmetern“ bezeichne, würde in diesem Fall eher der Begriff „mühsame konditionelle Schinderei“ passen.
Vor allem aber ist der Weg navigations technisch recht schwierig. Zwar sind die charakteristischen roten Punkte sehr dicht platziert, aber der Routenverlauf ist so gewunden und unintuitiv, dass man sehr leicht unversehens irgendwo abkommt. Ist mir das auch passiert? Natürlich! Das Verlaufen habe ich übrigens mit einem recht langen Kampf um die Rückkehr auf die markierte Route bezahlt :D. Von diesem Moment an versuche ich besonders vorsichtig zu sein und diese großen roten Punkte rechtzeitig zu erspähen.
Zu Beginn führt der Karagiannis-Steig durch Gelände, das von allgegenwärtigen Fichten, verschiedenen Gräsern und Sträuchern sowie moosbewachsenen Felsen dominiert wird. Mit zunehmender Höhe wird die Vegetation immer karger. Ab einem gewissen Punkt gibt es gar keine Fichten mehr, und ich gehe hauptsächlich über Gesteinsschutt und Büschel aus verblasstem Gras. Auf der rechten Seite wächst eine drohende Wand empor, die von Dutzenden runder, schwer zugänglicher Höhlen durchlöchert ist. Hinter mir sollte sich die Linie des Vardousia-Gebirges abzeichnen, aber die Wolken verdecken sie bereits fast vollständig.




Der letzte Akzent des Karagiannis-Steigs ist die Wanderung durch eine lockere und steinige Engstelle. Der Pfad führt an der linken Seite der Rinne entlang, und die Markierung ist hier etwas deutlicher. In der Finalphase des Aufstiegs sehe ich auf meiner linken Seite ein Fragment der mächtigen Felswand. Ich bin schon sehr müde, aber ich dränge tapfer voran – ich spüre nämlich, dass dies bereits die letzten Meter sind und der ersehnte Gipfel schon recht nahe ist. Plötzlich, als ich mich im oberen Teil der Rinne befinde, bricht die starke Mittelmeersonne durch die dichten Wolken. Die Wolken lockern für einen Moment auf und geben die charakteristische, kuppelförmige Silhouette des Gipfels Pyrgos (2.066 m n.p.m.) sowie den beeindruckenden Abschluss der Felswand der Pyramida frei. Oh gewaltiger Helios, danke für dieses unerwartete Geschenk! Wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja doch noch, vom Gipfel aus Aussichten zu genießen?
Gegen 13.20 Uhr, fünf Stunden nach Beginn der Tour, trete ich aus der Rinne auf den langgestreckten, weiten Rücken auf einer Höhe von etwa 2.400 m n.p.m. aus, womit ich gleichzeitig den intensivsten Teil des Karagiannis-Steigs beende. Einerseits fühle ich große Müdigkeit, andererseits eine wachsende Genugtuung. Was man auch sagen mag, die Begehung der Route war eine außergewöhnliche Erfahrung. Ich werde sie als stundenlanges Gemeinschaft mit fast unberührter Natur in Erinnerung behalten – voller Vegetation, umherlaufender Gämsen sowie zahlreicher Felsformationen. Und dazu – absolut keine Menschen.




Pyramida – der Weg zum Gipfel
Nach Erreichen des Hauptgrates liegt nur noch das letzte Stück des Aufstiegs zur Pyramida vor mir. Der Weg führt durch steiniges, aber relativ sanftes Gelände – auf einer Distanz von einem halben Kilometer überwinde ich nur etwas mehr als 100 Höhenmeter. In Anbetracht der dominierenden Steigung beim Aufstieg ist das eine wirklich nette Abwechslung.
Leider erweisen sich meine Hoffnungen auf eine Wetterbesserung schnell als vergeblich. Binnen kurzer Zeit umhüllt mich erneut eine dichte, schwere Wolke, und der Wind ist nicht stark genug, um sie zu vertreiben. Nur ab und zu tauchen kurze Aufhellungen auf, die Fragmente des Panoramas freigeben – als wollte der Berg für einen Moment den Schleier des Geheimnisses lüften, um gleich darauf wieder alles zu verdecken.
Den ersehnten Gipfel der Pyramida (2.510 m n.p.m.) erreiche ich um 13.30 Uhr, also fünf Stunden nach dem Verlassen des Autos. Auf dem Gipfel verbringe ich eine gute halbe Stunde, aber in Bezug auf eine bessere Sicht ändert sich leider nichts. Wenn ich ehrlich bin, fühle ich eine leichte Enttäuschung, während ich auf einem Stein sitze und mir den ersehnten Energydrink gönne. Die Pyramida ist ein mächtiger, majestätischer Berg, und ich wollte unbedingt sehen, welche Aussichten sich von ihrem Gipfel aus bieten. Diesmal hat es jedoch nicht geklappt. Aber so ist es nun mal in den Bergen, dass man selbst bei recht guten Prognosen manchmal auf wenig traumhafte Bedingungen trifft. Das ist eine dieser bitteren Pillen, die man einfach schlucken und weitermachen muss.




Wanderung über die weiten Almen am Fuße der Pyramida
Kurz nach 14 Uhr beende ich die Pause auf dem Gipfel und beginne mit dem Abstieg. Über 200 Meter halte ich mich an die vertraute Variante und biege dann nach links ab – auf einen recht gut sichtbaren Pfad. Nach etwa zehn Minuten lächelt mir das Glück endlich zu. Die Wolken verziehen sich nämlich so weit, dass ich vor mir ein recht weites Panorama in östliche Richtung habe – auf die übrigen Gipfel des Gkiona-Massivs.
Auf einer Höhe von 2.200 m n.p.m. verlasse ich den gut sichtbaren Pfad und biege nach links ab – in nördliche Richtung. Trotz größter Bemühungen sehe ich hier keine ausgetretene Spur mehr (obwohl ich laut Aufzeichnungen auf Strava die ganze Zeit fast ideal auf dem „Weg“ ging). Da sich die Sicht jedoch verbessert hat und die Navigation hier recht offensichtlich ist, steige ich einfach ab. Und tatsächlich – ein paar hundert Meter später stoße ich eher zufällig auf einen schlammigen Pfad, der mit Kunststoffplaketten markiert ist.


Schon seit längerer Zeit durchquere ich eine weite, grasbewachsene Alm, die sich zwischen dem Gipfel der Pyramida und dem benachbarten Gipfel Platybouna (2.317 m n.p.m.) ausbreitet. Übrigens ist es unglaublich, wie verschieden zwei Seiten desselben Berges sein können. Auf der einen Seite fällt die Pyramida mit einer scharfen, steilen Wand ab, auf der anderen mit einem sanften, grasbewachsenen Hang. Diese Almen liegen übrigens nicht immer brach, da sie in der Saison von lokalen Hirten genutzt werden. An einem gewissen Punkt, als ich in nordöstliche Richtung blicke, scheint es mir, als würde ich Wasser entdecken… Hmm… ist das möglich? Ein kurzer Blick auf die Karte… ja! Es stellt sich heraus, dass die Pyramida in direkter Nähe nicht nur zum Golf von Korinth (im Süden), sondern auch zum Golf von Malia liegt, der Teil der Ostküste von Hellas ist.
Während ich über die weiten Almen gehe, stoße ich schnell auf eine weitere hiesige Besonderheit, nämlich… eine Herde Pferde! Wunderschöne, majestätische Tiere grasen an einem der felsig-grasigen Hänge. Wie in anderen Teilen Griechenlands sind dies halbwilde Pferde. Sie stammen von Haustieren ab, die vor einigen Jahrzehnten von hiesigen Züchtern in die Freiheit entlassen wurden. Mit der Zeit entwickelten sie eine natürliche Herdenstruktur und passten sich dem rauen Hochgebirgsgelände an. Interessant, oder?




Abstieg über den „Umweg“ des Karagiannis-Steigs
Eine Viertelstunde später werden die Bedingungen wieder schlechter. Wie zum Trotz geschieht dies etwa zu dem Zeitpunkt, als ich den nächsten Wegweiser erreiche. Desorientiert begehe ich einen Fehler und setze meinen Weg in nördliche Richtung fort. Die Navigation wird durch den sehr schwachen Empfang und das „Verrücktspielen“ des Handy-GPS erschwert. Nichtsdestotrotz orientiere ich mich recht schnell in die richtige Richtung und finde den korrekten Pfad wieder. Ich steige nun in westliche Richtung über einen gut sichtbaren Weg ab.
Auf einer Höhe von ca. 1.830 m n.p.m. beginne ich eine recht lange (und stellenweise etwas felsige) Querung der Westwände der Pyramida. Obwohl jede der mir verfügbaren Karten behauptet, dass die Variante anders verläuft (d.h. direkt nach unten), entscheide ich mich, den deutlichen roten Punkten zu folgen. Denn wenn das jemand markiert hat, werde ich wohl nicht in die Irre gehen, oder? Und tatsächlich – nach einer etwas zu langen Etappe des Querverlaufens beginne ich den intensiven, steilen Abstieg. Ich gehe nun inmitten charmanter Fichten und Almen, mit Blick auf die Hänge der benachbarten Gipfel. Ich denke mir… es ist gut.



Auf einer Höhe von ca. 1.480 m n.p.m. trifft die von mir gewählte Variante auf diejenige, die in der Karte markiert ist. Von unten sieht es so aus, als gäbe es zwei markierte Pfade: einen, der in der Karte eingetragen ist, und einen zweiten, der dort fehlt. Weiter erwartet mich nur noch ein langer, kilometerlanger Marsch durch den Wald. Der Abschnitt zieht sich übrigens wie Kaugummi, was bei mir mehrmals Zweifel an der Korrektheit der gewählten Marschrichtung weckt. Das ist umso stressiger, als der Handyempfang hier eher sporadisch funktioniert. Letztendlich vertraue ich jedoch meiner eigenen Orientierung im Gelände und halte mich die ganze Zeit an den deutlichen, markierten Pfad. Obwohl ich die Müdigkeit schon sehr stark spüre, weiß ich den unbestreitbaren Charme der mich umgebenden Fichten, grünen Lichtungen und vernebelten Kämme zu schätzen.



Eine Viertelstunde nach 17 Uhr schließe ich den Rundweg und erreiche die Stelle, an der ich vor einigen Stunden auf den Karagiannis-Steig abgebogen bin. Einige Minuten später melde ich mich beim Auto zurück. Mit Erleichterung nehme ich am Steuer der gemieteten Skoda Platz und drehe den Zündschlüssel um. Wie gut es tut, den müden Beinen endlich eine Pause zu gönnen! Die nächsten drei Stunden verbringe ich auf der Straße – zuerst am Golf von Korinth entlang, dann auf der Autobahn entlang der Westküste des Peloponnes. Als ich direkt am Meer entlangfahre, mache ich eine kurze Pause und gehe an einen kleinen, steinigen Strand. Verdammt… Zum ersten Mal im Leben erreiche ich Höhen von 0 und 2.500 m am selben Tag! Erst am Abend erreiche ich das Hotel in Olympia, das ich als nächsten Übernachtungsort während meiner griechischen Rundreise gewählt habe.
Die Tour auf die Pyramida werde ich als ein sehr interessantes und auf seine Art wichtiges Erlebnis in Erinnerung behalten. Es waren viele Stunden, die ich inmitten wunderschöner, fast unberührter Natur verbracht habe. Auf der Strecke des doch langen Marsches habe ich zudem keine Menschenseele getroffen, außer einer flinken Gämse und der majestätischen Pferdeherde. Es schmerzt lediglich die Tatsache des Wetters – vielleicht nicht das schlechteste, aber auch sehr weit von dem entfernt, was ich mir für diesen Tag erträumt hatte. Das hat jedoch auch sein Gutes. Schließlich gibt es nun einen Vorwand, eines Tages hierher zurückzukehren…
Datum der Wanderung: 23. Oktober 2025
Statistiken der Wanderung: 16,5 km; 1.810 Höhenmeter
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Wanderkarte



