Ľadový štít (2.628 m): Aufstieg über das Ľadový kôň und Abstieg über die Ľadová kopa

Seit Jahrzehnten begeistert und inspiriert der Ľadový štít nachfolgende Generationen von Künstlern, Naturforschern und Tatra-Bergsteigern. Es mangelt nicht an Interessierten, die seine Majestät kennenlernen wollen. Deshalb ist der Berg, obwohl er abseits markierter Touristenpfade liegt, ein beliebtes Ausflugsziel. Über die Verwirklichung des Traums vom Ľadový štít dachte ich an einem Herbstfreitag nach, direkt nachdem ich eine für mich wichtige Prüfung bestanden hatte. Denn gibt es eine bessere Belohnung als eine Expedition zu einem so schönen Berg? Alle Vorhersagen sagten perfektes Wetter für Samstag voraus, also… keine Ausreden, wir müssen los! Ein großes Abenteuer ruft!

Inhaltsverzeichnis:

  1. Ľadový štít – allgemeine Informationen
  2. Von Tatranská Lesná ins Dolina Piatich spišských plies
  3. Aufstieg zum Ľadový štít über das Ľadový kôň
  4. Ľadový hrebeň und Ľadová kopa
  5. Ľadové sedlo – der Abstieg
  6. Tourenkarte
  7. Literaturverzeichnis

Ľadový štít – allgemeine Informationen

  • Der Ľadový štít ist 2.628 Meter hoch und damit der dritthöchste Gipfel der Tatra und der gesamten Karpaten. Der Berg gehört außerdem zu den vierzehn Gipfeln der Großen Krone der Tatra.
  • Der Ľadový štít liegt vollständig auf der slowakischen Seite der Tatra und es führt kein markierter Touristenweg hinauf. Das ist wichtig, da das Verlassen der markierten Wege in der slowakischen Tatra theoretisch verboten ist und von den Nationalpark-Rangern mit Bußgeldern geahndet werden kann.
  • Seinen Namen verdankt der Ľadový štít höchstwahrscheinlich den lang anhaltenden Eis- und Schneefeldern.
  • Der Normalweg zum Ľadový štít führt über das Ľadové rameno und das Ľadový kôň (in diesem Fall verlassen wir den markierten Weg im Dolina Piatich spišských plies, kurz oberhalb der Téryho chata). Diese Variante ist orientierungstechnisch einfach und größtenteils technisch unkompliziert – lediglich die Überquerung des berühmten Ľadový kôň wird mit dem Schwierigkeitsgrad I/II bewertet. Diese Route wird in diesem Beitrag als Aufstiegsvariante beschrieben.
  • Die zweite beliebte Route zum Ľadový štít führt vom Ľadové sedlo über die Ľadová kopa (I) und entlang des Grates von der Ľadová kopa zum Ľadový štít (II). Diese Variante ist wesentlich spannender, aber auch deutlich anspruchsvoller. In diesem Beitrag wird sie als Abstiegsvariante beschrieben.
  • In diesem Beitrag werden nur die beiden einfachsten Aufstiegsvarianten zum Ľadový štít beschrieben, es gibt jedoch noch viele weitere. Beispielsweise kann der Ľadový štít auch von der Südseite, d. h. aus dem Javorová dolina, bestiegen werden. Bei dieser Variante steigt man durch den Sobkov žľab auf (Schwierigkeitsgrad II).
  • Interessanterweise wurde der Ľadový štít im Jahr 1843 genau von Süden her zum ersten Mal dokumentiert bestiegen: vom irischen Bergsteiger John Ball in Begleitung von Wilhelm Richter, drei Jägern aus Jurgov und einem namentlich nicht bekannten Polen. Die Erstbesteiger wählten den Weg durch das Javorová dolina und weiter über den Sobkov hrebeň. Die erste Winterbegehung hingegen gelang dem Berufssoldaten Theodor Wundt zusammen mit dem Bergführer Jakob Horvay am 28. Dezember 1891.
  • Und zum Abschluss der Einleitung noch eine kleine historische Kuriosität! Im Jahr 1938 erzwang Polen eine Grenzkorrektur mit der Tschechoslowakei, wodurch ein Teil des Teschener Schlesiens, der Orava und… ein Teil der Hohen Tatra an Polen fielen. Der Ľadový štít wurde damals zum Grenzberg und gleichzeitig zum höchsten Gipfel Polens. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte man zur ursprünglichen Grenze von vor 1938 zurück.

Von Tatranská Lesná ins Dolina Piatich spišských plies

Gegen 7:30 Uhr kommen wir in der Siedlung Tatranská Lesná (ca. 900 m ü. M.) an. Wir lassen das Auto auf einem kostenlosen Parkplatz an der Cesta Slobody stehen (Koordinaten: 49.1521625N, 20.2610000E). Wir wählen den gelb markierten Wanderweg, der entlang des rauschenden Studený potok führt. Die Wanderung ist sehr angenehm, da sich das Studenovodská dolina in seiner herbstlichen Pracht einfach herrlich präsentiert. Zusätzlichen Charme verleiht dem Ort der Dlhý vodopád, den man dank der dort errichteten Aussichtsplattformen genauer betrachten kann. Der Dlhý vodopád ist eigentlich eine Kaskadenfolge, über die der Studený potok in einem schmalen, steinigen Bett in die Tiefe stürzt. Laut dem legendären Bergführer Józef Nyka verdanken wir diesen Effekt dem Durchbruch des Flusses durch Steinmoränen, die von Gletschern gebildet wurden, die einst aus den höheren Teilen der Tatra herabglitten.

4 Kilometer nach dem Verlassen von Tatranská Lesná, auf einer Höhe von etwa 1250 m ü. M., endet der gelbe Wanderweg. Wir gehen auf der blauen Route weiter und erreichen nur wenige Minuten später die Rainerova chata. Das Gebäude wirkt unscheinbar, aber es lohnt sich, ihm einen Moment Aufmerksamkeit zu schenken. Es wurde 1865 erbaut und ist damit die älteste erhaltene Schutzhütte in der Tatra. Heute bietet die Rainerova chata keine Übernachtungsmöglichkeiten mehr, aber es gibt dort immer noch einen kleinen Kiosk.

200 Meter hinter der Rainerova chata biegen wir auf den roten Weg ab, ein Teilstück der Tatranská magistrála. Ich würde diesen Abschnitt als Wanderautobahn beschreiben: gleichmäßig verlegte Steine, geringe Steigung und viele Leute, die man überholen muss. Ein großes Plus ist die schöne Aussicht nach Süden auf die unteren Teile des Veľká Studená dolina und Studenovodská dolina. Von der Brücke über den Malý Studený potok kann man den beeindruckenden Obrovský vodopád bewundern.

studenovodská dolina
Das bezaubernde Studenovodská dolina, gelber Weg von Tatranská Lesná
dlhý vodopád
Teilstück des Dlhý vodopád
rainerova chata
Rainerova chata
tatranská magistrála
Tatranská magistrála hinter der Rainerova chata
obrovský vodopád
Obrovský vodopád

Die Tatranská magistrála führt uns zur Zamkovského chata (1475 m ü. M.), wo wir eine kurze Pause einlegen, um Energie zu tanken. Weiter geht es auf dem grünen Wanderweg in die höheren Teile des Malá Studená dolina. In diesem Stadium folgen wir immer noch einem sorgfältig angelegten Steinpflaster. Und ringsherum? Ringsherum ist es einfach wunderschön. Die Kombination aus Latschenkiefern, herbstlichem Gras, der massiven Wand des Prostredný hrebeň und dem wolkenlosen Himmel ergibt eine der schönsten Landschaften, die ich bisher in der Tatra sehen durfte.

Zamkovského chata
Zamkovského chata
malá studená dolina
Traumhafter Weg durch die oberen Teile des Malá Studená dolina

Zwei Kilometer hinter der Zamkovského chata beginnt der erste anspruchsvolle Aufstieg des Tages – der Anstieg zur Geländestufe, auf der sich das Dolina Piatich spišských plies befindet. Der Weg wird in diesem Abschnitt etwas schmaler, was das Überholen der zahlreichen Touristen erschwert. Schritt für Schritt steigen wir im Zickzack über 350 Höhenmeter hinauf. Während des Aufstiegs fällt unser Blick auf die berühmte Žltá stena, wo sich einige der schwierigsten Kletterrouten der Tatra befinden.

An der Téryho chata kommen wir um 10:20 Uhr an. Das Gebäude liegt auf einer Höhe von 2.015 m ü. M. und ist damit die höchstgelegene ganzjährig bewirtschaftete Hütte in der gesamten Tatra. Vor der Hütte bietet sich ein unglaublicher Blick auf dutzende zerklüftete Gipfel (darunter fünf Riesen der Großen Krone der Tatra – Prostredný hrot, Lomnický štít, Pyšný štít, Baranie rohy und natürlich der Ľadový štít). Da wir uns im Dolina Piatich spišských plies (Tal der fünf Zipser Seen) befinden, gibt es hier natürlich auch Moränenseen. Direkt an der Hütte liegen das Malé, Prostredné und Nižné spišské pleso, etwas höher das Veľké und Zadné spišské pleso. Bei dem heutigen Wetter sieht das alles phänomenal aus, ein echtes Fest für die Sinne. Ich stehe da, schaue und habe nur ein großes „Wow“ im Kopf. Und dabei sind wir noch gar nicht so hoch…

aufstieg zur téryho chata
Aufstieg zur Téryho chata
žltá stena
Žltá stena
téryho chata
Téryho chata und dahinter der Prostredný hrot
dolina piatich spišských plies
Lomnický štít und Pyšný štít spiegeln sich im Prostredné spišské pleso
ľadový štít
Und der Hauptdarsteller des heutigen Tages – der Ľadový štít

Aufstieg zum Ľadový štít über das Ľadový kôň

Die Abzweigung vom markierten Wanderweg auf den Pfad zum Ľadový štít befindet sich buchstäblich einen halben Kilometer von der Téryho chata entfernt, direkt am Veľké spišské pleso. Um die Wahrheit zu sagen, müssen wir die Abzweigung gar nicht lange suchen: Ein deutlich ausgetretener Pfad ist vom Wanderweg aus perfekt sichtbar. Wir vergewissern uns noch einmal, dass kein Ranger hinter einem Stein lauert, und klick! Wir beginnen den besten Teil des heutigen Ausflugs.

Wir folgen dem deutlichen und mit Steinmännchen markierten Pfad links am Veľké spišské pleso vorbei und beginnen den Aufstieg in die höheren Teile des Malá Studená dolina. Mehrere hundert Meter wandern wir durch mäßig steiles, felsig-grasiges Gelände. Der Pfad wird zeitweise undeutlicher, aber dank der hervorragenden Sicht ist die Richtung die ganze Zeit über offensichtlich. Etwas schwieriger wird es erst, als unsere gewählte Variante direkt durch ein großes Blockfeld führt (eine Gruppe großer Granitfelsen). An solchen Stellen versuche ich, mich voll zu konzentrieren, da die Felsen oft wackeln und ein falscher Schritt in einer unangenehmen Verletzung enden könnte.

ľadový štít off-trail
Beginn des Pfades abseits des markierten Weges; links der Ľadový štít
pfad zum ľadový štít
Erster Abschnitt abseits markierter Wege auf grasig-steinigen Boden
blockfeld am ľadový štít
Durchquerung des Blockfeldes

Nach der Überquerung des Blockfeldes wird das Gelände nicht viel freundlicher. Wir gehen nun auf einem Untergrund aus tausenden kleinen, losen Steinen (etwas, das ich früher oft als „Geröll-Hölle“ bezeichnet habe). Die Wahl der richtigen Richtung ist nicht allzu schwer, da der Pfad wieder recht gut sichtbar ist. Die Orientierung wird auch dadurch erleichtert, dass wir uns auf einer beliebten Route abseits der markierten Wege befinden und viele Leute vor und hinter uns sehen.

Der Aufstieg auf losem Geröll kann mühsam und nervig sein, bereitet uns aber im Allgemeinen keine größeren Probleme. Nach einigen Minuten führt uns der Pfad an eine charakteristische Stelle, an der man die in das Tal abfallende Ostwand des Ľadový štít umgehen sollte, um den eigentlichen Aufstieg zum Grat des Ľadové rameno zu beginnen. In diesem Moment lohnt es sich, kurz innezuhalten und sich umzuschauen, denn das Dolina Piatich spišských plies präsentiert sich von oben einfach wahnsinnig schön.

hang des ľadový štít
Geröllfeld nach dem Blockfeld. Die erste Wand im Bild ist der Ostgrat des Ľadový štít, an dem der Pfad zum Ľadové rameno entlangführt
aufstieg zum ľadové rameno
Beginn des steilen Aufstiegs zum Ľadové rameno
lose steine am ľadový štít
Viel loses Gestein beim Aufstieg zum Ľadové rameno

Der Aufstieg zum Ľadové rameno ist der körperlich anstrengendste Teil des heutigen Ausflugs. Auf einer Strecke von etwa 0,5 Kilometern sind hier ca. 300 Höhenmeter zu überwinden. In diesem Stadium gibt es nicht mehr den einen richtigen Weg – es führen mehrere ausgetretene Pfade den Hang hinauf. Jeder von ihnen ist ungemütlich und erfordert volle Konzentration. Es geht dabei jedoch nicht um rein klettertechnische Schwierigkeiten (nach Andrzej Marcisz haben wir hier 0+/I), sondern vielmehr um die Notwendigkeit, sich auf losem, unsicherem Untergrund zu bewegen, der unter den Füßen wegzurutschen scheint. Der Aufstieg gehörte nicht zu den angenehmsten meines Lebens, aber es war auch kein Drama – man muss dort einfach vorsichtiger sein und beim Passieren von absteigenden Touristen besondere Rücksicht nehmen.

ľadové rameno
Der Ľadový štít vom Pass Ľadové rameno aus

Am Pass Ľadové rameno (ca. 2.500 m ü. M.) kommen wir um 12:00 Uhr an, etwa anderthalb Stunden nach dem Verlassen der Téryho chata. Der kurze Gratabschnitt zum Ľadový štít ist von hier aus bereits in seiner ganzen Pracht sichtbar. Das Gratstück erweist sich als recht einfach und wir bewältigen es viel schneller, als man vermuten könnte. Nur 10 Minuten nach dem Verlassen des Ľadové rameno stehen wir bereits an der berühmtesten Stelle der gesamten Route – am Ľadový kôň (Eisthaler Pferd, 2.585 m ü. M., Schwierigkeitsgrad I/II). Es handelt sich dabei um eine schmale Stelle des Grats, deren Name von der beliebtesten Methode ihrer Überquerung herrührt – im Reitsitz. Ich sage Ihnen ehrlich, dass ich ein Problem damit habe, diesen Ort zu beschreiben. Das Internet ist voll von dramatischen Beschreibungen, in denen die Überquerung des Ľadový kôň als eine bergsteigerische Leistung dargestellt wird, die den Taten von Adam Ondra gleichkommt. Für mich erwies sich dieser berühmte Gratabschnitt jedoch als… ziemlich gewöhnlich. Ein paar vorsichtige Bewegungen und der ganze Zauber war vorbei. Martyna empfand es ähnlich – sie stürmte als Erste auf das Ľadový kôň und die Überquerung dauerte weniger als eine Minute. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass für Menschen mit Höhenangst die massiven Abgründe auf beiden Seiten des Ľadový kôň eine unüberwindbare Barriere darstellen können.

überquerung des ľadový kôň
Martyna beginnt mit der Überquerung des Ľadový kôň
ľadový kôň
Und hier sitze ich auf dem Ľadový kôň (und hinter mir die unglaubliche Belianske Tatry)
letzter aufstieg am ľadový štít
Die letzten Meter des Aufstiegs zum Ľadový štít

Die letzten Meter des Grataufstiegs und wir haben es geschafft! Um 12:30 Uhr, zehn Minuten nach dem Verlassen des Ľadový kôň und zwei Stunden nach dem Aufbruch von der Téryho chata, stehen wir auf dem Ľadový štít. Dort gönnen wir uns eine verdiente Pause und leeren unsere Rucksäcke von allen mitgebrachten Leckereien. Wir haben heute eine wahnsinnige Fernsicht. In ihrer ganzen Pracht sehen wir unter anderem die Belianske Tatry im Norden, den Baranie rohy, Kežmarský štít und Lomnický štít im Osten sowie den in der Ferne glänzenden Gerlachovský štít im Südwesten.

ausblick vom ľadový štít
Blick vom Gipfel auf Gerlachovský štít, Bradavica, Vysoká, Rysy
ausblick vom ľadový štít
Blick vom Gipfel Richtung Baranie rohy, Pyšný štít und Lomnický štít

Ľadový hrebeň und Ľadová kopa

Auf dem Gipfel des Ľadový štít merkt man überhaupt nicht, dass man abseits markierter Wege ist. Es herrscht reger Betrieb – Leute kommen sowohl einzeln als auch in größeren Gruppen mit Bergführer an. Wenn es auf dem Gipfel etwas zu voll wird, beschließen wir, den Rückweg anzutreten. Ursprünglich hatten wir geplant, auf demselben Weg abzusteigen, also über das Ľadový kôň. Auf dem Gipfel hat sich unsere Entscheidung jedoch geändert. Der Ľadový hrebeň sieht wunderschön aus, trotz der späten Jahreszeit (Ende Oktober) ist der Fels komplett trocken, und der Abstieg über den Geröllhang zum Dolina Piatich spišských plies erscheint uns wenig attraktiv.

blick auf den ľadový hrebeň
Blick auf den Ľadový hrebeň vom Ľadový štít aus

Die Entscheidung, über den Ľadový hrebeň zur Ľadová kopa zu queren, erweist sich als Volltreffer. Die Route bereitet uns viel Freude und den typischen Bergspaß. Laut dem Bergführer Andrzej Marcisz erreichen die Schwierigkeiten auf dem Grat den Grad II auf der Tatra-Skala. Und tatsächlich erweisen sich unsere Klettererfahrungen hier mehrmals als sehr hilfreich. Es gilt, mehrere scharfe Türmchen und tückische Scharten zu überwinden, was volle Konzentration und das geschickte Suchen nach guten Griffen und Tritten erfordert.

An einem der ersten ausgesetzten Türmchen holt uns Michał ein, den wir am Gipfel kennengelernt haben. Er meint, dass der Grat ihm auf dem Hinweg ein wenig Angst eingejagt hat und er ihn auf dem Rückweg lieber in unserer Gesellschaft bewältigen würde. Klar, wir haben nichts dagegen! So bleiben wir als Trio zusammen, beobachten uns gegenseitig aufmerksam und geben uns bei Bedarf Tipps.

ľadový hrebeň
Beginn der Gratüberschreitung
klettern am ľadový hrebeň
Eines der schwierigeren Türmchen
scharte am ľadový hrebeň
Ich im ungleichen Kampf mit einer Scharte

An der Ľadová kopa (Malý Ľadový štít, 2.605 m ü. M.) kommen wir um 13:20 Uhr an, also nur 20 Minuten nach dem Verlassen des Ľadový štít. Wir sind bester Laune, da die Gratüberschreitung ein zwar kurzes, aber sehr intensives Erlebnis war. Der Ľadový hrebeň ist zudem das Schwierigste, was wir bisher in der Tatra gemacht haben. Martyna meint sogar im Eifer des Gefechts, dass diese Überschreitung wohl das Limit dessen ist, was sie ohne Sicherung bewältigen könnte.

blick von der ľadová kopa
Blick Richtung Ľadový štít und Ľadový hrebeň (mit den Ľadové zuby) von der Ľadová kopa aus

Die Abstiegsrichtung von der Ľadová kopa zum Ľadové sedlo zeigt uns Michał. Sie erweist sich als steil, felsig und tückisch… nun ja, unser tägliches Brot. Im unteren Teil des Abstiegs wurden jedoch wieder kleine, lose Steine zur größten Herausforderung. Wir steigen also vorsichtig ab, um uns auf den letzten Metern des Off-Trail-Abenteuers nichts zu verstauchen.

abstieg von der ľadová kopa
Blick von unten auf den ersten Abschnitt des Abstiegs von der Ľadová kopa
gelände an der ľadová kopa
steiler abstieg an der ľadová kopa
Das steilste Stück des Abstiegs von der Ľadová kopa
ľadové sedlo
Das Ľadové sedlo ist schon in Sicht!

Ľadové sedlo – der Abstieg

Wir erreichen das Ľadové sedlo (2.372 m ü. M.) gegen 13:50 Uhr. Das Ľadové sedlo trennt die Ľadová kopa von der Široká veža und jest der höchste Tatra-Pass, zu dem ein markierter Touristenweg führt. Ringsum ist es recht düster: Sowohl das Javorová dolina im Westen als auch das Ľadová dolinka im Osten wirken aus dieser Perspektive rau und fast ein wenig erdrückend. Wir halten also nur kurz auf dem Pass inne und machen uns auf den Rückweg zur Téryho chata.

Vom Ľadové sedlo steigen wir im Zickzack durch eine schuttreiche, lose Rinne ab, die an manchen Stellen mit Ketten gesichert ist. Das Gelände ist steil, sodass wir recht schnell an Höhe verlieren. Ein kleiner See sticht uns ins Auge – das Modré pleso, der am höchsten gelegene permanente See in der gesamten Tatra (2.189 m ü. M.). 700 Meter nach Verlassen des Passes trifft der grüne Weg auf den gelben und führt hinunter ins Dolina Piatich spišských plies. So erreichen wir eine Viertelstunde vor 15:00 Uhr wieder die Téryho chata. Ich bestelle mir eine wohlverdiente Kofola und trinke sie mit Genuss im Freien, während ich den unglaublichen Blick auf die umliegenden Gipfel genieße. Martyna gönnt sich den Glühwein, von dem sie schon seit einigen Kilometern spricht. Ach, was für ein herrlicher Tag das war… Was für ein wunderschöner Berg das war…

Gegen 15:30 Uhr verabschieden wir uns von Michał, der auf der Téryho chata bleibt. Wir machen uns auf dem gleichen Weg wie beim Hinweg an den Abstieg nach Tatranská Lesná. Am Parkplatz an der Cesta Slobody kommen wir gegen 17:30 Uhr an. Die gesamte Bergaktion dauerte somit etwas mehr als 10 Stunden, was wir – das lässt sich nicht verbergen – deutlich in den Beinen spüren.

Die Expedition zum Ľadový štít war eine unserer schönsten (wenn nicht die schönste) Tatra-Wanderungen. Heute hat alles gepasst: Wetter, Route, Ausblick, Begleitung… Wieder einmal hat sich bestätigt: Wenn man die Berge vor der Haustür hat, braucht man nichts anderes zum Glücklichsein.

Datum der Tour: 26. Oktober 2024

Tour-Statistik: 24,5 Kilometer, 1850 Höhenmeter

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blick aufs ľadová dolinka
Blick Richtung Ľadová dolinka und Modré pleso
ketten am ľadové sedlo
Mit Ketten gesicherter Abschnitt des Abstiegs
aufstieg zum ľadové sedlo
Einstieg zum Ľadové sedlo, vom Fuß der Rinne aus gesehen
ľadová dolinka
Übergang vom Ľadová dolinka ins Dolina Piatich spišských plies
kofola téryho chata
Auf dein Wohl, Ľadový štít!

Tourenkarte

Literaturverzeichnis

  • Marcisz Andrzej, Wielka Korona Tatr, Wydawnictwo Bezdroża, 2. Auflage, 2021
  • Nyka Józef, Nyczanka Monika, Tatry Słowackie, Wydawnictwo Trawers, 12. Auflage, Latchorzew 2022.
Autor des Blogs, begeistert von Bergwanderungen und dem geschriebenen Wort.
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