Hoher Dachstein (2 995 m) – Super Via Ferrata

Die Besteigung des Hohen Dachsteins werde ich als eine der schwierigsten Bergherausforderungen in Erinnerung behalten, denen ich mich bisher gestellt habe. Fünfzehn Stunden körperlicher Aktivität, 2200 Höhenmeter Unterschied (davon 1200 Meter Klettersteig über drei miteinander verbundene Routen), die Überquerung eines Gletschers und ein Sonnenuntergang, den ich von der Terrasse einer Alpenhütte aus beobachten konnte… und das alles an nur einem Tag, dem 3. August 2022. Ich lade dich ein, meinen Bericht über mein unglaubliches Abenteuer auf dem höchsten Gipfel des Dachsteinmassivs zu lesen!

INHALTSVERZEICHNIS

  1. Hoher Dachstein – praktische Informationen
  2. Vom Campingplatz in Ramsau zum Anna-Klettersteig
  3. Super Via Ferrata – anstrengend, aber mit einer Prise Zufriedenheit
  4. Hoher Dachstein – der Gipfelaufstieg
  5. Hoher Dachstein – über den Gletscher zurück nach Ramsau
  6. Karte der Route

Hoher Dachstein – praktische Informationen

Der Dachstein ist ein mächtiges Kalksteinmassiv in der Mitte Österreichs, an der Grenze zwischen den beiden Bundesländern Steiermark und Oberösterreich. Sein höchster Punkt, der Hohe Dachstein, erreicht eine Höhe von 2.995 m ü. d. M. und ist damit der zweithöchste Gipfel der gesamten Nördlichen Kalkalpen!

In den oberen Teilen des Dachsteinmassivs befinden sich die am weitesten östlich gelegenen Alpengletscher – die größten davon sind der Hallstätter Gletscher, der Große Gosaugletscher und der Schladminger Gletscher. Leider schrumpfen die Dachstein-Gletscher aufgrund der fortschreitenden Klimaerwärmung stetig. Schätzungen zufolge werden sie, falls sich dieser negative Trend nicht ändert, innerhalb der nächsten 80 Jahre vollständig verschwunden sein. Glücklicherweise werden in den Skigebieten auf den Gletschern derzeit umfangreiche Schutzmaßnahmen durchgeführt. Außerdem steht der nordwestliche Teil des Massivs unter Naturschutz, und die gesamte Kulturlandschaft der Region wurde 1997 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Der Bergtourismus im Dachstein-Gebiet wird bereits seit fast 200 Jahren betrieben! Die erste dokumentierte Besteigung des Hohen Dachsteins gelang Peter Gappmayr im Jahr 1832. Im Jahr 1843 errichtete Friedrich Simony hier den weltweit ersten Klettersteig.

Vor meiner Reise ins Dachsteinmassiv hatte ich gelesen, dass es sich um eine der beliebtesten Bergregionen Österreichs handelt. Nach meiner Rückkehr kann ich euch aber beruhigen – obwohl wir auf dem letzten Abschnitt, also am Gipfel-Klettersteig, tatsächlich einigen Menschen begegnet sind, war es insgesamt keineswegs überlaufen. Kurz gesagt: Jeder polnische Wanderer, der schon einmal im August in der Hohen Tatra war, hat ein völlig anderes Verständnis davon, was „überfüllte Berge“ eigentlich bedeuten. 😄

In diesem Beitrag geht es um die Besteigung des Hohen Dachsteins von der Südseite über die sogenannte Super Via Ferrata. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um eine Kombination aus gleich drei Klettersteigen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad – dem Anna-Klettersteig, dem Johann-Klettersteig und dem Schulteranstieg. Zusammen gilt es, rund 1200 Höhenmeter zu überwinden! Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auf den Dachstein auch alternative Routen von Norden (von Hallstatt) und Westen (von Gosau) führen.

Der beliebteste Ausgangspunkt für Touren auf den Hohen Dachstein ist die Talstation der Dachsteinbahn in Ramsau am Dachstein, die auf etwa 1700 m ü. d. M. liegt. Es gibt dabei allerdings ein kleines Problem – dorthin führt die private Alpenstraße „Dachsteinstraße“, deren Benutzung stolze 20 Euro kostet. Kostenlos fahren nur jene, die die Seilbahn benutzen (das Ticket, das man an der Schranke der Straße zieht, muss an der Bergstation entwertet werden). Bis vor Kurzem war die Straße auch für Inhaber der Sommercard Schladming-Dachstein gebührenfrei, doch seit 2021 ist das nicht mehr möglich. Grund dafür ist offenbar ein komplizierter Rechtsstreit zwischen den Seilbahnbetreibern und der Gemeinde Ramsau – offenbar gibt es sture Bergbewohner nicht nur in Polen 😄. Eine Alternative sind die Regionalbusse – diese verkehren jedoch erst ab etwa 7 oder 8 Uhr, denn, wie uns die Besitzerin unseres Campingplatzes sagte: „Um sechs schlafen hier noch alle.“ Zwischen zwei Optionen – zusätzliche 700 Höhenmeter oder 20 Euro für 6 Kilometer Mautstraße – erschien uns Letzteres schlimmer. Also stand die Entscheidung fest: Wir greifen den Hohen Dachstein direkt vom Campingplatz in Ramsau an, auf 1000 m ü. d. M. – ahoi, Abenteuer!

Beginn der Wanderung auf dem Dureggrundweg

Vom Campingplatz in Ramsau zum Anna-Klettersteig

Aufstehen um 6:00 Uhr, ein schneller Kaffee, eine Tütensuppe – und schon um 6:45 verlassen wir mit vollgepackten Rucksäcken den Campingplatz (ca. 1000 m ü. d. M.). Die Stimmung, wie immer am Morgen, eher mittelmäßig. Doch das Wetter hebt sofort die Laune – ein wolkenloser Himmel und strahlender Sonnenschein deuten darauf hin, dass die Prognosen stimmen: Es wird ein traumhafter Bergtag.

Wir folgen dem Weg mit dem Namen Dureggrundweg. Die ersten zwei Kilometer verlaufen relativ flach entlang der Straße L711. Bei der Gaststätte Dachsteinruhe biegt der Weg leicht nach rechts ab und führt weiter über eine Almstraße. Kurz darauf begegnen wir den ersten Kühen – was wäre eine Alpenwanderung ohne sie? Der Pfad macht eine scharfe Rechtskurve und steigt in steilen Serpentinen an – der Aufstieg beginnt. Die Kühe hingegen schauen uns völlig gleichgültig an, als wollten sie fragen: „Warum tust du dir das eigentlich an, Mensch?“ 😄

Und wenn man einfach den ganzen Tag auf dieser Wiese bleiben würde?

Nach fünf Kilometern erreichen wir die Glös-Alm, die an der Dachsteinstraße liegt (ca. 1500 m ü. d. M.). Für längere Pausen ist es aber noch zu früh. Wir biegen schnell nach links ab und folgen nach einem kurzen Stück auf der Forststraße dem Weg, der zur Dachsteinsüdwandhütte führt. Der Untergrund wird zeitweise steiniger, besonders an der Stelle, an der man das trockene Bachbett queren muss. Bald darauf gelangen wir wieder auf Almwiesen, und in mühsamen Serpentinen gewinnen wir weiter an Höhe. Nach einigen Minuten erreichen wir den malerischen Schönbühel (1830 m ü. d. M.). Der Ort wirkt idyllisch: Vor uns das mächtige Dachsteinmassiv, das immer näher rückt, und hinter uns ein beeindruckendes Panorama über die Niederen Tauern bis hin zu den Hohen Tauern – dem höchsten Gebirge Österreichs. Mitten auf der Wiese steht eine Bank – wie könnte man da vorbeigehen, ohne sich zu setzen und eine Pause zu machen? Gesagt, getan – schließlich haben wir bereits 800 Höhenmeter in den Beinen.

Idyllische Almwiese am Schönbühel
Kleine Hütte inmitten der großen Berge

Die Dachsteinsüdwandhütte liegt auf 1871 m ü. d. M. – auch dort halten wir uns nicht lange auf, denn das Schild zeigt, dass es noch etwa eine halbe Stunde bis zum Einstieg des Anna-Klettersteigs ist. Man sollte erwähnen, dass man von der Hütte aus auch eine alternative Route wählen kann, die direkt zum Einstieg des Johann-Klettersteigs führt (wobei man die Anna-Route auslässt). Wir jedoch wollen die gesamte Super Via Ferrata machen – Aufgeben ist keine Option! Zu meiner Enttäuschung führt der Weg allerdings zunächst steil bergab – der Anna-Klettersteig beginnt rund 100 Meter unterhalb der Hütte! Schade – Höhenmeter zu verlieren, fühlt sich in so einem Moment ziemlich frustrierend an.

Super Via Ferrata – anstrengend, aber mit einer Prise Zufriedenheit

Um 9:45 Uhr, nach drei Stunden Aufstieg, erreichen wir den Start der Anna Klettersteig – die erste Etappe der Super Via Ferrata. Schnell setzen wir Helm, Handschuhe und Klettergurt mit Klettersteigset auf und los geht’s. Auf diesem Abschnitt gilt es rund 300 Höhenmeter zu überwinden. Die Schwierigkeiten reichen bis zur Stufe D (auf einer Skala von A bis F), die meiste Zeit bewegt sich der Steig jedoch im Bereich B–B/C. [Link zum Topo]. Trotz meiner anfänglichen Vorsätze, hauptsächlich natürliche Griffe zu nutzen, greife ich oft zur Stahlseil-Unterstützung. Martyna geht voraus – sie klettert richtig gut und verschwindet bald aus meinem Blickfeld. Hinter mir taucht ein älteres Paar auf, das sich erstaunlich flink über den Fels bewegt. Kurz halte ich sie auf, finde dann aber eine sichere Stelle zum Überholen. Sie bedanken sich freundlich und fragen, woher wir kommen. Beide dürften locker über sechzig sein – und doch klettern sie wie Gämsen. Solche Momente erden einen sofort.

Der Anna Klettersteig führt uns auf den Gipfel des Mitterstein (2.097 m), einen Nebengipfel des Hauptmassivs des Dachstein. Eine kurze Pause, ein kleiner Snack – und weiter geht’s, denn der Johann wartet schon. Laut Online-Führern sollte man für die Anna etwa zwei Stunden einplanen; wir schaffen es in 1 Stunde und 40 Minuten. Ein gutes Gefühl – vor allem, da wir damals noch am Anfang unserer Klettersteig-Erfahrungen standen. Vom Gipfel des Mitterstein folgen wir einem gut markierten Pfad, der das Ende der Anna mit dem Beginn des Johann verbindet. Hier sollte man besonders auf die Schritte achten – der Weg ist voller kleiner, loser Steine, auf denen man leicht ausrutschen kann.

Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir den Einstieg zur Johann Klettersteig, die sowohl technisch als auch konditionell als einer der anspruchsvollsten Klettersteige Österreichs gilt [Link zum Topo]. Die Johann Klettersteig beginnt auf etwa 2.200 m und endet auf 2.730 m – das bedeutet, dass man insgesamt 540 Höhenmeter überwindet! Der technisch schwierigste Abschnitt ist gleich am Anfang – eine kurze Überhängung der Schwierigkeit D/E. Diese Stelle erfordert zwar einiges an Kraft, ist aber kurz und gut machbar. Johann gefällt mir deutlich besser als Anna – die Route ist abwechslungsreicher, der Rhythmus passt besser, und die Ausgesetztheit ist einfach spektakulär. Charakteristisch für diesen Steig sind viele komplett senkrechte Wandpassagen. Man steigt dort an Eisenstiften hinauf, fast wie auf einer Leiter.

Unvergesslich bleibt das Gefühl, als wir schließlich den Dachsteinwarte-Gipfel (2.730 m) erreichen, der die Johann Klettersteig abschließt. Eine Mischung aus Zufriedenheit, Erleichterung, Freude, Freiheit und Erfüllung. Körperlich war es anstrengend, aber wir haben es geschafft! Wieder einmal nur mit eigener Kraft und Willen stehen wir auf dem Gletscher! Unsere Zeit kann sich sehen lassen – wir brauchten 2,5 Stunden, während der Führer online 3 Stunden empfiehlt. Glücklich gehen wir hinüber zur Seethalerhütte, die auf der Dachsteinwarte steht, und gönnen uns dort eine kurze Pause. Auf der Terrasse treffen wir das Paar wieder, das wir auf der Anna vorbeigelassen hatten – beide gratulieren uns herzlich zum Abschluss des Johann. Wir bemerken auch… Pistenraupen! Offenbar präparieren die Österreicher den Gletscher sogar im August, um den Touristen den Weg von der Bergstation der Seilbahn zur Hütte zu erleichtern. Allzu lange können wir aber nicht bleiben – es ist fast 15 Uhr, und das Hauptziel unserer Tour liegt noch vor uns.

Dachsteinwarte und der ewige Gletscher
Der Herr Dachstein aus der Nähe

Hoher Dachstein – der Gipfelaufstieg

Die letzte Etappe der Super-Via-Ferrata ist der Schulteranstieg. Dies ist der einfachste Abschnitt – der erste Teil ist mit B/C bewertet, der Rest meist mit B oder sogar A. Die Route beginnt auf 2750 m ü.d.M. und endet direkt am Gipfel – also rund 250 Höhenmeter Aufstieg (Topo ansehen). Alternativ kann man über den Gletscher bis auf etwa 2900 m aufsteigen und dort in den Fels einsteigen – das würde ich jedoch nur jenen empfehlen, die über Erfahrung in Gletscherseilsicherung verfügen. Es war dort ziemlich rutschig und nass, und Steigeisen allein könnten auf dem steilen Gelände nicht ausreichen. Da wir solche Spezialkenntnisse (noch!) nicht besitzen, wählen wir sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg die längere Ferrata. Ein polnischer Kletterer, den wir unterwegs treffen, bestärkt uns in dieser Entscheidung: Er erzählt, dass er ursprünglich über den Gletscher absteigen wollte, seine Meinung jedoch änderte, als er sah, wie ein anderer Wanderer ausrutschte, fünf Meter fiel und in eine Spalte stürzte. Offenbar haben den Unfall auch andere gesehen – wir müssen nämlich zahlreiche Seilschaften passieren, die alle denselben Weg absteigen. Über den Gletscher geht fast niemand. Nur wir steigen weiter nach oben… Der Gedanke kommt auf, dass es schwierig werden könnte, diese alpine Tour noch vor Einbruch der Dunkelheit zu beenden.

Der Schulteranstieg machte uns keine großen Probleme – wir benötigten etwa 45 Minuten. Den Gipfel des Hohen Dachsteins erreichen wir gegen 15:45 Uhr, also nach neun Stunden intensiver Anstrengung. Die Zufriedenheit? Riesig! 2000 Höhenmeter in den Beinen und eine atemberaubende Aussicht in alle Richtungen. Zwanzig Minuten später machen wir uns jedoch schon wieder auf den Rückweg – unsere Uhren erinnern uns gnadenlos daran, dass wir uns keine langen Pausen mehr leisten können. Unterwegs treffen wir nur noch eine Seilschaft – drei Jungs, die wir bereits auf der Anna überholt hatten. Hoffentlich hatten sie gute Stirnlampen dabei.

Blick nach Norden. Neun Stunden Kletterei – und der freche Vogel fliegt einfach vorbei.
Blick auf die Niederen und in der Ferne die Hohen Tauern
Blick auf das mächtige Dachsteinmassiv und den Gletscher darunter
Geschwister am Gipfel – den Hohen Dachstein hatten wir GANZ für uns allein.

Hoher Dachstein – über den Gletscher zurück nach Ramsau

Für den Abstieg über die Gipfelferrata brauchen wir etwa eine Stunde. Das Abklettern auf Klettersteigen ist etwas anspruchsvoller als der Aufstieg, doch diese Route bietet kaum ernsthafte Schwierigkeiten – abgesehen vom erwähnten B/C-Abschnitt am Anfang. Dort hängt das Stahlseil nämlich locker über einer großen, gähnenden Gletscherspalte… also ja, dieser Teil sorgt für ein bisschen Adrenalin. Auf dem Gletscher ziehen wir schnell unsere Steigeisen an – vor uns liegt ein flacher, präparierter Abschnitt, der vom Schutzhaus zur Bergstation der Dachsteinbahn führt. Der Gang über das Eis ist ein spannendes Erlebnis; die Landschaft wirkt, als hätten wir die Jahreszeit gewechselt. Nur die weiche, nasse Oberfläche des Gletschers verrät, dass wir mitten im August sind. Die Steigeisen leisten gute Dienste, und wir kommen zügig voran. Um uns herum herrscht Stille – die Bahn fährt nur bis 17:15 Uhr, die meisten Touristen sind längst im Tal. Auf dem Gletscher sind nur wir und ein einzelner Baggerfahrer, der hartnäckig im Eis gräbt. Müde erreichen wir schließlich den Hunerkogel mit der Bergstation – dort ziehen wir die Steigeisen aus, nur um sie kurz darauf wieder anzulegen: Unser Abstiegs-Klettersteig beginnt nämlich erst ein Stück weiter – am Hunerscharten (2602 m ü.d.M.), den wir noch umrunden müssen.

Wir steigen über den Hunerscharten Klettersteig ab – dabei verlieren wir 180 Höhenmeter, was etwa eine Stunde dauert. Die Ferrata ist sehr einfach – die meisten Abschnitte sind mit A bewertet, maximal mit B, sie sollte also keine größeren Probleme bereiten. Verwechselt sie nur nicht mit dem Sky Walk, der direkt vom Hunerkogel führt – dort erreichen die Schwierigkeiten Stufe E, also wäre ein Abstieg auf diesem Weg deutlich weniger angenehm! Nach dem Klettersteig erwartet uns die psychisch schwierigste Etappe der Wanderung, nämlich ein Abschnitt des Weges, der aus sehr losen, kleinen Steinchen besteht. Leider ist dies ein Merkmal aller Wege in dieser Region, ungefähr auf einer Höhe von 1900–2100 m ü. M. Trotz höchster Konzentration rutscht einer von uns immer wieder auf diesen Steinchen aus, was Frustration hervorruft und das Gefühl der Erschöpfung verstärkt. Die Sonne senkt sich dabei unaufhaltsam immer tiefer…

Der Weg ist schlimm, aber die Aussicht…

Zur Hütte Dachsteinsüdwandhütte kommen wir kurz vor 21 Uhr, noch bei den letzten Sonnenstrahlen. Da klar ist, dass wir es ohnehin nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit nach unten schaffen, beschließen wir, uns etwas zu trinken zu bestellen und kurz auszuruhen. Diese Entscheidung war ein Volltreffer. Wir waren nämlich sehr müde – die Limonade für 5 Euro ließ uns neue Kräfte schöpfen und gab uns zum Schluss etwas Auftrieb. Also los – der Abstieg ruft! Nur noch ein Stück bis zur Asphaltstraße! Ab der Hütte war der Weg zum Glück sehr angenehm – im Licht der Handy-Taschenlampen verlieren wir zügig an Höhe. Gegen 22 Uhr melden wir uns auf der Dachsteinstraße – bis zum Campingplatz ist es noch ziemlich weit, aber auf der Asphaltstraße fühlen wir uns deutlich sicherer. Der Dachstein-Massiv sieht in der Nacht wunderschön, aber zugleich etwas unheimlich aus.

Die Hütte ist schon in Sicht!
Es wird immer dunkler…
Der Dachstein sagt „Gute Nacht“

Auf dem Rückweg hoffe ich insgeheim, bei der Talstation vielleicht noch einen verspäteten Touristen zu finden, der uns ein Stück in Richtung unseres Campingplatzes mitnimmt. Leider zerstört der leere Parkplatz meine Erwartungen schmerzhaft. Uns bleibt nichts anderes übrig, als die Dachsteinstraße entlangzugehen und auf ein Wunder zu warten. Die Stimmung ist trotzdem gut – wir befinden uns bereits in dem Zustand der Erschöpfung, in dem man über alles lacht und Lieder singt. Die Beine schmerzen jedoch höllisch und verlangen nach Ruhe nach dieser fünfzehnstündigen Wanderung. Und vor uns liegt, im ungünstigsten Fall, noch ein zehn Kilometer langer Spaziergang… Doch plötzlich sehen wir ein Auto den Berg hinunterfahren. Wir überlegen nicht lange – wir fangen an, mit den Taschenlampen zu winken. Der Fahrer wird langsamer, langsamer… und hält an! Wir laufen schnell hin und sagen, dass wir zum Camping Dachstein müssen. Der ältere Herr am Steuer lädt uns freundlich ein. Wir steigen rasch ein und rufen immer wieder ein fröhliches „danke schön“. Der Mann stellt sich als Besitzer einer der örtlichen Pensionen heraus und spricht ein wenig Englisch. Er erzählt, dass er vor 40 Jahren in Polen war – zum Skifahren in Szczyrk. Na seht ihr? Unsere Beskiden sind so schön, dass sogar Österreicher hier Ski fahren wollen! Inzwischen bringt uns unser Retter direkt bis zum Campingplatz. Wir bedanken uns nochmals und rollen aus dem Auto. Das Zelt öffnen wir gegen 22:30 Uhr und bereiten uns so leise wie möglich auf die Nacht vor. In einem sind wir uns einig – morgen stehen wir ganz sicher nicht um 6 Uhr auf.

Datum der Tour: 3. August 2022

Statistik der Tour: 26 km, 2300 Höhenmeter

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Karte der Route

Autor des Blogs, begeistert von Bergwanderungen und dem geschriebenen Wort.
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