Hochgolling (2.862 m) – Der höchste Gipfel der Niederen Tauern

Der Hochgolling (2.862 m) ist der höchste Gipfel der Schladminger Tauern und der gesamten Niederen Tauern, die Teil der Zentralalpen sind. Der Gipfel liegt in der Mitte Österreichs an der Grenze der beiden Bundesländer Steiermark und Salzburg. Aufgrund der beachtlichen Höhe stellt die Besteigung eine gewisse konditionelle Herausforderung dar, ist aber technisch weitgehend unproblematisch. Bei gutem Wetter kann man vom Hochgolling aus ein herrliches Panorama auf das nahegelegene Dachsteinmassiv sowie die majestätischen Hohen Tauern genießen. Ich lade Sie ein zu meinem Bericht über die Besteigung des Hochgolling vom Parkplatz Wilde Wasser!

Inhaltsverzeichnis

  1. Warum der Hochgolling?
  2. Hochgolling – Der Weg vom Parkplatz Wilde Wasser
  3. Gollinghütte und Gollingwinkel
  4. Hochgolling – Der Aufstieg vom Gollingwinkel
  5. Tourenkarte

Warum der Hochgolling?

Die Idee, den Hochgolling zu besteigen, entstand bei uns ganz spontan. Es war der erste August, unser erster Abend auf dem Campingplatz in Ramsau am Dachstein. Unsere ursprünglichen Pläne sahen eine Tour im Dachsteinmassiv vor, genauer gesagt die Begehung des Klettersteigs IRG2 und die Besteigung des Großen Koppenkarsteins. Routinemäßig prüften wir das Wetter, und – Überraschung! Die Prognosen hatten sich deutlich verschlechtert. Die Aussicht auf eventuellen Starkregen (oder gar ein Gewitter!) im Klettersteig überzeugte uns absolut nicht. Wir starteten also unsere bewährte Karten-App und überprüften unsere Pläne. Das Ergebnis: Klettern fiel aus, stattdessen planten wir eine intensive Wanderung auf den in der Nähe liegenden höchsten Gipfel der Niederen Tauern – den Hochgolling.

Hochgolling – Der Weg vom Parkplatz Wilde Wasser

Am 2. August wachten wir früh auf – 6:00 Uhr, ein schneller Kaffee, Frühstück und ab ins Auto. Wir fuhren in die Ortschaft Schladming, bekannt als Austragungsort der jährlichen Ski-Weltcup-Rennen. Unser Ziel war der Parkplatz Wilde Wasser. Der grundlegende Nachteil dabei ist, dass man für die Zufahrtsstraße eine Maut von 11 Euro zahlen muss (Stand August 2022). Andererseits ist der Parkplatz recht groß, in den frühen Morgenstunden fast vollständig leer und liegt in unmittelbarer Nähe zu den Wanderwegen. Die Höhe des Parkplatzes liegt bei 1.080 m, und wir starteten kurz nach 8:00 Uhr. Das Wetter war tatsächlich nicht das beste – Nebel, Feuchtigkeit, recht kühl.

Der Weg vom Parkplatz zur Gollinghütte erwies sich als eine sehr angenehme und gut präparierte Strecke. Er führt durch ein breites Tal, in direkter Nähe zu einem rauschenden Bach, inmitten grüner Wiesen mit träge grasenden Kühen. Kurz gesagt: idyllisch. Auf den ersten vier Kilometern ist die Steigung eher gering, erst auf dem letzten Abschnitt wird es steiler. Der Bach, der uns den ganzen Weg über begleitet, stürzt hier über eine mehrere Meter hohe Felsstufe und bildet einen vom Weg aus gut sichtbaren Wasserfall.

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Der Weg durch das breite Tal, vorerst bewölkt
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Eine Kuh auf dem Weg
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Der letzte Abschnitt des Aufstiegs durch das Tal, sichtbar ist der Wasserfall und die Hütte auf der Moränenstufe

Gollinghütte und Gollingwinkel

Die Gollinghütte auf 1.642 m erreichten wir gegen 9:30 Uhr. Dort erlebten wir eine Zwickmühle – das Wetter dachte nicht daran, sich zu bessern. Die Wolken hingen tief, der Nebel wurde immer dichter… Wir gingen weiter, doch schon wenige Minuten später sank unsere Moral: Es fing an zu regnen. Nun ja, wir sind nicht aus Zucker. Wir marschierten weiter, bis plötzlich… im dichten Nebel erschien auf einem Felsen die Silhouette eines schwarzen Pferdes. Ob man es glaubt oder nicht, unter den gegebenen Umständen sah es wirklich düster aus. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass dieses Pferd kein Vorbote unseres Untergangs war, sondern lediglich ein Mitglied der hier grasenden Herde. 15 Minuten nach Verlassen der Hütte erreichten wir das flache Talbecken Gollingwinkel auf einer Höhe von ca. 1.700 m. Von hier beginnt der steinige und steile Aufstieg zum Hochgolling. Das Wetter war weiterhin katastrophal, also beschlossen wir nach kurzer Diskussion umzukehren – nun ja, nichts erzwingen.

Wir kehrten zur Hütte zurück, mit einem schnell geänderten Plan für den Tag – von dort führten nämlich zwei Wege: einer zum Hochgolling, der andere zum Gipfel namens Greifenberg (2.618 m). Auf der Karte sah er vielversprechend aus – direkt unter ihm befindet sich eine ganze Reihe von Moränenseen, es sollte dort also landschaftlich wunderschön sein, ähnlich wie an anderen bekannten alpinen Bergseen. Vor allem aber sah die Umgebung unseres neuen Ziels deutlich besser aus – irgendwie weniger bewölkt, vielversprechender… Wir entschieden uns jedoch schnell für einen weiteren Rückzug, als sich auch über dem Greifenberg schnell bedrohliche Wolken bildeten.

Innerhalb einer Stunde waren wir zum dritten Mal an der Hütte. Wir hatten uns eigentlich schon damit abgefunden, dass wir an diesem Tag keinen Gipfel mehr erreichen würden und zum Auto zurückkehren müssten. Doch dann geschah ein wahres Wunder! Vor unseren Augen, buchstäblich in Sekundenschnelle, teilte sich der Nebel, eine mächtige Wolke löste sich auf und über den Niederen Tauern begann die Sonne zu scheinen. Der Hochgolling enthüllte sich in seiner ganzen Pracht! Dass das Wetter in den Bergen unberechenbar ist, weiß jeder, aber eine solch plötzliche, geradezu magische Veränderung habe ich noch nie erlebt. Nun ja! Ein Geschenk des Schicksals muss man nutzen, also beschlossen wir: Zeit für einen erneuten Versuch, den Hochgolling zu bezwingen.

 

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Gollingwinkel vor dem meteorologischen Wunder
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Gollingwinkel nach dem meteorologischen Wunder

Ein zügiger Marsch und wir waren wieder im Gollingwinkel, diesmal jedoch in einer völlig anderen Kulisse. Das flache, tiefgrüne Tal, umgeben von monumentalen Bergen, machte jetzt einen unglaublichen Eindruck auf uns – wir waren uns einig, dass dies einer der schönsten Orte ist, die wir jemals auf unseren Bergwanderungen besucht haben.

Hochgolling – Der Aufstieg vom Gollingwinkel

So begannen wir gegen 11:00 Uhr den eigentlichen Aufstieg durch eine steinige Rinne! Der Weg erwies sich als angenehm für die Schuhe, aber gleichzeitig sehr steil, mühsam und landschaftlich eintönig, was mich an sehr anspruchsvolle, geröllige Aufstiege im Hochgebirge erinnerte. Leider änderte sich das Wetter erneut – über dem Hochgolling sammelten sich wieder beunruhigende Wolken. Wir mussten uns beeilen, wir wollten nicht ein weiteres Mal umkehren!

Wenige Minuten nach 12:00 Uhr erreichten wir die Gollingscharte (2.325 m), die den Hochgolling vom Zwerfenberg (2.642 m) trennt. An diesem Ort öffnete sich zum ersten Mal ein weites Panorama in westlicher Richtung – dieser Anblick begleitete uns bis zum Gipfel. Auf der Scharte eine kurze Pause, ein zweites Frühstück und weiter geht’s! 500 Höhenmeter erledigen sich nicht von selbst!

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Aufstieg zur Gollingscharte
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Blick von oben auf die Rinne, durch die der Weg zur Gollingscharte führt

Nach dem Verlassen der Scharte setzten wir das mühsame Gewinnen an Höhe fort – immer noch auf einem steinigen, gut markierten Pfad. Zweifel kamen erst auf, als wir auf eine Abzweigung trafen (Höhe ca. 2.630 m). Wir hatten die Wahl – der historische Weg oder eine Gratvariante, markiert mit dem Zusatz „nur für Geübte“. Nach kurzem Zögern wählten wir den Gratweg (vielleicht, weil uns hier der Empfang fehlte, um die genaue Bedeutung des Wortes zu prüfen). Kurz nach der Abzweigung wurde der Weg tatsächlich deutlich anspruchsvoller. Das Gelände wurde felsig – endlich hatten wir Gelegenheit, heute auch die Hände zu benutzen. Die Route führte uns schnell auf den Grat und verlief dort bis zum Gipfel. Wir befanden uns in einer interessanten Situation: links verdeckte dichter Nebel jede Aussicht, rechts bot sich ein volles Panorama… als ob gerade der Hochgolling die tief hängende Wolke nicht weiter nach Westen ziehen lassen würde. Die Schwierigkeit des Gratabschnitts ist durchaus beachtlich und erfordert Schwindelfreiheit. Man sollte auf jeden Fall wachsam sein, und ich würde diesen Abschnitt nicht Leuten empfehlen, die keine Exposition mögen.

An einer Stelle, auf 2.740 m Höhe, nach etwa zwei Dritteln des Gratabschnitts, stießen wir auf eine größere Scharte – um sie zu umgehen, mussten wir leicht absteigen. Leider versagten hier unsere Navigationskünste – anstatt zum Grat zurückzukehren, landeten wir an einem sehr steilen Hang, voller kleiner, lockerer Steine. Wir kämpften uns eine Weile durch den Hang, merkten aber schnell, dass wir uns sicher nicht mehr auf dem Weg befanden. Glücklicherweise bemerkten wir etwas unter uns die historische Variante (d. h. die einfachere) und steuerten vorsichtig darauf zu. Ein Versuch, zum Grat zurückzukehren, ergab an dieser Stelle wenig Sinn, also setzten wir unsere Wanderung auf der leichteren Variante fort. Noch eine Weile blieben wir auf dem steinigen Pfad, sprangen aber schnell wieder auf den Fels. Stellenweise musste man die Hände benutzen, aber insgesamt überschritt der Schwierigkeitsgrad nicht das, was man auf markierten hochalpinen Wanderwegen findet.

Den Gipfel des Hochgolling erreichten wir um 13:45 Uhr. Bei gutem Wetter ist dies ein hervorragender Aussichtspunkt – man kann von dort nicht nur die umliegenden Niederen Tauern bewundern, sondern auch die Gletscher der Hohen Tauern und natürlich das nahegelegene Dachsteinmassiv. Wir hatten leider nicht die besten Bedingungen, aber zu klagen gab es auch nichts – auf der einen Seite immer noch eine mächtige Wolke, auf der anderen jedoch ein ausgezeichnetes Panorama in westlicher Richtung. Und natürlich die Zufriedenheit! Ein weiterer sehr hoher Berg in unserer Sammlung!

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Blick von der Gollingscharte
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Abschnitt des steinigen Aufstiegs von der Scharte zur Weggabelung
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Das Panorama, das uns während des gesamten Aufstiegs von der Scharte begleitete
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Gipfel des Hochgolling

Eine kurze Pause, das obligatorische Foto mit dem Gipfelkreuz und wir machten uns auf den Rückweg, genau auf der gleichen Strecke, auf der wir gekommen waren. Es lockte uns, den Gratweg für den Abstieg zu nutzen (diesmal ohne sich zu verlaufen), aber nach einem erneuten Blick in den Himmel wählten wir doch die historische Variante. Wir besuchten erneut die Scharte, das wunderschöne Tal Gollingwinkel mit der Pferdeherde, die Hütte (zum vierten Mal an diesem Tag) und die weidenden Kühe. Am Auto waren wir um 17:40 Uhr – sehr zufrieden, dass wir trotz des unsicheren Wetters diesen Tag so schön verbringen konnten.

Auf dem Rückweg hielten wir in der bekannten Stadt Schladming und machten einen kurzen Spaziergang durch das Zentrum. Die Stadt machte einen positiven Eindruck auf uns – sehr gepflegt, atmosphärisch und das Wichtigste – dort gibt es leckeres Eis!

PS. Zum Schluss noch ein hervorragendes Argument, warum es sich lohnt, vor einer Bergtour die Karte genau zu analysieren. Erst nach der Rückkehr nach Hause entdeckte ich, dass der Name des Parkplatzes „Wilde Wasser“ nicht von ungefähr kommt. Buchstäblich 650 Meter vom Parkplatz entfernt, auf einer Höhe von ca. 1.200 m, befindet sich ein großer Wasserfall – der Große Riesachfall, und ein Stück darüber ein kleiner Gebirgssee, der Riesachsee. Ich vermute, wenn ich das früher gewusst hätte, wären wir nach der Wanderung noch dorthin gegangen. Eine Lektion für die Zukunft – besser recherchieren.

Datum der Tour: 2. August 2022

Statistik der Tour: 25 km, 2.000 Höhenmeter

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Abstieg von der Scharte zurück zum Gollingwinkel

Tourenkarte

Autor des Blogs, begeistert von Bergwanderungen und dem geschriebenen Wort.
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