Der Große Donnerkogel ist ein beliebter österreichischer Gipfel im westlichen Teil des Dachsteinmassivs. Er zieht Touristen durch seine Erreichbarkeit, weite Panoramablicke, eine ganzjährig geöffnete Seilbahn sowie den idyllischen Gosausee an. Die Hauptattraktion des Gipfels ist jedoch der bekannte Intersport Klettersteig mit seiner charakteristischen Leiter, die zwischen dem Kleinen und dem Großen Donnerkogel gespannt ist. Für uns wurde dieser Gipfel zum wahren krönenden Abschluss unseres mehrtägigen Ausflugs ins Dachsteinmassiv. Ich lade euch herzlich zu meinem Bericht ein!
INHALTSVERZEICHNIS:
- Warum Großer Donnerkogel?
- Vorderer Gosausee und Beginn des Trekkings
- Intersport Klettersteig [C/D]
- Großer Donnerkogel (2.054 m ü. A.) – Der Gipfel
- Rückweg vom Intersport Klettersteig
- Tourkarte
Warum Großer Donnerkogel?
An unserem letzten Tag im Dachsteinmassiv waren uns zwei Dinge wichtig. Erstens waren wir nach den Besteigungen des Hochgolling, des Hoher Dachstein und des Großer Koppenkarstein bereits etwas erschöpft. Die Route sollte daher relativ einfach sein (oder zumindest einfacher als die Herausforderungen der vorangegangenen Tage). Zweitens sollte der Gipfel einen Tapetenwechsel ermöglichen, damit wir das Dachsteinmassiv aus einer etwas anderen Perspektive bewundern konnten. Der Große Donnerkogel schien beide Anforderungen perfekt zu erfüllen – die Entscheidung fiel also recht schnell.
Von unserem Campingplatz in Ramsau am Dachstein brechen wir gegen 8:00 Uhr morgens auf; bis zum Startpunkt der gewählten Route müssen wir etwa 80 km fahren. Die Fahrt durch die österreichischen Dörfer wird mir keineswegs langweilig – alle sind so grün, gepflegt, einfach märchenhaft! Da ich mich jedoch an die vier Strafzettel erinnere, die letztes Jahr aus Tirol kamen, achte ich peinlich genau auf sämtliche Geschwindigkeitsbegrenzungen 😄.
Vorderer Gosausee und Beginn des Trekkings
Als wir unser Ziel, die Talstation der Gosaukammbahn, erreichen, wird schnell klar, dass der Gipfel tatsächlich sehr beliebt ist. Zwei große Parkplätze sind voll besetzt, wir halten auf einem dritten, der entlang der Straße liegt. Hervorzuheben ist: Alle Parkplätze sind kostenlos! Nach fünf Minuten Fußmarsch verstehen wir sofort, warum dieser Ort so populär ist – vor unseren Augen erscheint der unglaublich schöne Vordere Gosausee.

Nur schwer können wir den Blick vom Gosausee abwenden und machen uns auf den Weg zur gewählten Route – ein Wanderweg, der uns zum Einstieg des berühmten Intersport Klettersteigs führen soll. Der Klettersteig beginnt auf einer Höhe von 1.600 m ü. A., während der See auf 900 m ü. A. liegt. Wir müssen also 700 Höhenmeter auf einer Strecke von 3 km bewältigen. Der Weg ist daher recht steil, aber sehr angenehm – wir gehen durch einen intensiv grünen Wald auf einem komfortablen Pfad, während kleine Frösche um unsere Schuhe hüpfen. Während des Aufstiegs öffnet sich links immer wieder der Blick auf den Gosausee – mit jedem gewonnenen Höhenmeter wird er prachtvoller.
Trotz der Menschenmassen auf dem Parkplatz sind auf dem Wanderweg nur sehr wenige Leute unterwegs. Es ist wieder einmal dieser Moment, in dem ich den Eindruck gewinne, dass in Österreich nur sehr wenige die Mühe auf sich nehmen, zu Fuß dorthin aufzusteigen, wo man auch mit der Seilbahn hinfahren kann. Wir treffen jedoch auf Wegmarkierer – eine fröhliche Gruppe mit roter und weißer Farbe. An dieser Stelle sei erwähnt, dass im Dachsteinmassiv alle markierten Wege die gleiche Kennzeichnung haben: die Flagge Österreichs. Bunte Wandermarkierungen, wie man sie aus Polen oder der Slowakei kennt, sucht man hier vergeblich.

Auf etwa 1.500 m ü. A. verlassen wir den Wald und erreichen eine weitläufige Aussichtswiese. Von dort aus können wir bereits die Bergstation der Seilbahn sehen sowie… zwei Berghütten, die sich buchstäblich gegenüberstehen – die Gablotzer Hütte und die Breininghütte. Das nenne ich mal einen harten Wettbewerb um den Kunden, oder? Zur Linken haben wir derweil den Blick auf unser heutiges Ziel – den Großen Donnerkogel und den ihn begleitenden Kleinen Donnerkogel, beide hübsch mit Latschenkiefern geschmückt.
Auf dem Weg vor den Hütten spricht uns ein Mann mit einem Eimer voller Steine an, der wie ein Mantra das Wort „bitte“ wiederholt. Zuerst bleibe ich starr stehen, merke aber kurz darauf, dass es um die Bitte geht, das Paket zu zwei Männern zu bringen, die etwa 200 Meter weiter gerade mit Steinen den Weg befestigen. Ich greife den Eimer und trage ihn zur angegebenen Stelle. So wurde ich auf einfache Weise zum Freiwilligen für die Verbesserung der österreichischen Tourismusinfrastruktur.
Von den Hütten bis zum Einstieg des Intersport Klettersteigs ist es nur noch ein Katzensprung – buchstäblich fünfzehn Minuten Fußweg. Letztendlich erreichen wir den Start des Klettersteigs etwa eine Stunde nach Beginn des Trekkings am Gosausee. Für 700 Höhenmeter gar nicht mal so schlecht.

Intersport Klettersteig [C/D]
Der Intersport Klettersteig ist ein sehr einfacher Klettersteig – der Großteil seiner Abschnitte wurde mit A oder B bewertet (auf einer Skala bis F). An vielen Stellen geht man gar nicht am Fels, sondern auf einem gewöhnlichen Pfad zwischen Latschenkiefern. Mit C bewertete Elemente kommen nur vereinzelt vor, während es nur zwei Passagen gibt, die als C/D eingestuft sind. Die erste davon begegnet uns am Anfang des Klettersteigs – es handelt sich um eine relativ anspruchsvolle, aber kurze Verschneidung (die Stelle heißt Kaiserverschneidung, und ich bin mir nicht sicher, ob sie schwerer zu durchsteigen oder auszusprechen ist). Das zweite C/D findet sich im letzten Teil der Route. Es handelt sich um ein vertikales Wandstück, das direkt nach der berühmten Himmelsleiter über dem Abgrund überwunden werden muss. Zudem kann man diese zweite C/D-Stelle über eine sanftere Variante umgehen. Für Interessierte verlinke ich das detaillierte Topo von bergsteigen.com unter diesem Link.
Kurzum, ich kann den Klettersteig Anfängern wärmstens empfehlen, sogar jenen, die noch nie auf einem solchen Weg unterwegs waren und testen möchten, ob diese Aktivität etwas für sie ist (denkt aber an die richtige Ausrüstung: Gurt, Klettersteigset und Helm!). Ich sollte auch hinzufügen, dass wir, während wir auf alpinen Klettersteigen sonst meist Leere vorfanden, hier auf recht viele Leute trafen. Wir überholen einige Gruppen auf der Route und müssen vor der Hauptattraktion – der etwa vierzig Meter langen Strickleiter, die den Kleinen Donnerkogel mit dem Großen Donnerkogel verbindet – sogar Schlange stehen. Das Begehen der Leiter selbst ist eine ziemlich interessante Erfahrung – ich rate jedoch dazu, zügig voranzugehen; je länger man zögert, desto mehr schwankt es 😄.
Glaubt es oder nicht, aber erst nach unserer Rückkehr wurde uns klar, dass der Intersport Klettersteig einer der populärsten Klettersteige Österreichs ist und die von mir erwähnte Leiter ein echtes Instagram-Viral darstellt!
Der Klettersteig führt uns direkt auf den Gipfel des Großen Donnerkogels. Die im Online-Führer angegebene Richtzeit für die gesamte Route beträgt 3 Stunden. Wir schaffen es trotz einiger Staus und gemütlichem Tempo eine halbe Stunde schneller.







Großer Donnerkogel (2.054 m ü. A.) – Der Gipfel
Den letzten alpinen Gipfel unserer Reise – den Großen Donnerkogel (2.054 m ü. A.) – erreichen wir wenige Minuten vor 14 Uhr. Von dort bietet sich ein herrlicher Blick auf das gletscherbedeckte Hauptmassiv des Dachsteins sowie auf andere umliegende Alpengipfel. Auf dem Gipfel folgen das obligatorische Foto mit dem Gipfelkreuz und eine wohlverdiente Rast. Diese dauert jedoch nicht allzu lange – wir werden von unangenehm aussehenden Wolken vom Gipfel vertrieben. Interessanterweise scheinen wir die einzigen Touristen zu sein, die das Gespenst eines aufziehenden Gewitters irgendwie interessiert. Die Österreicher scheinen das Geschehen am Himmel gar nicht erst zu bemerken.



Rückweg vom Intersport Klettersteig
Vom Gipfel steigen wir über den Normalweg ab, von dem sich fast auf der gesamten Länge eine unglaubliche Aussicht nach Norden und Westen bietet. Uns gefällt besonders dieses allgegenwärtige Grün. Das hat uns auf den schroffen Felsen des Dachsteins ein wenig gefehlt, aber hier gibt es davon mehr als genug. Wir verlieren schnell an Höhe – es vergeht nicht einmal eine Stunde, und wir finden uns erst zwischen den Latschenkiefern und später bei den beiden Hütten wieder. In einer davon gönnen wir uns eine Portion Kuchen mit Sahne, na klar! Zum Abschluss darf man das!
Wir verputzen die Süßigkeiten und ziehen weiter – wir steigen über denselben Waldweg ab, auf dem wir gekommen sind. Am Gosausee sind wir wenige Minuten nach 16 Uhr zurück. Wir bemerken, dass einige Leute im See baden – es gibt also kein Verbot! Wir warten nicht auf eine besondere Einladung und springen ebenfalls schleunigst ins Wasser.
Resümierend für den ganzen Tag: Der Große Donnerkogel hat unsere Erwartungen nicht nur erfüllt – er hat sie sogar übertroffen. Zwar war es kein schwieriger oder allzu hoher Gipfel, aber er hat uns jede Menge einfache Bergfreude bereitet – und das ist schließlich das Wichtigste an der ganzen Sache.
Datum der Tour: 5. August 2022
Tour-Statistiken: 12 km, 1.200 Höhenmeter
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