Col Rodella (2.484 m) – Aussichtsreicher Gipfel über Canazei

Col Rodella (2.484 m ü. M.) ist einer der vielen grünen Gipfel, die den Ort Canazei auf allen Seiten umgeben – ein bekannter Ferienort in den italienischen Dolomiten. Der Gipfel bietet eine wunderschöne Aussicht auf die nahen Riesen – die Felswand des Piz Boè (3.152 m ü. M.) und den markanten Langkofel (3.181 m ü. M.). Der Col Rodella besticht zudem durch eine große Auswahl an Berghütten: Eine befindet sich direkt unter dem Gipfel, die zweite unmittelbar darauf. Der Gipfel selbst kann auf zwei Wegen erreicht werden: über eine Trekking-Variante oder über einen kurzen Klettersteig (Via Ferrata). In diesem Beitrag geht es um den erstgenannten Weg. Herzlich willkommen!

Inhaltsverzeichnis

  1. Start vom Campingplatz Marmolada
  2. Panoramawahn!
  3. Der Gipfel des Col Rodella (2.484 m)
  4. Abstieg zwischen Dutzenden von Hütten…
  5. Rückkehr nach Canazei
  6. Karte der Wanderung

Start vom Campingplatz Marmolada

Die heutige Wanderung beginnen wir gegen 8:40 Uhr. Wir starten direkt von unserem Campingplatz – dem Camping Marmolada in Canazei, der auf einer Höhe von ca. 1.440 m ü. M. liegt. In den ersten Minuten durchqueren wir die Straßen dieses charmanten Alpendorfes. Der Ort sieht aus wie aus dem Bilderbuch – bunte Fassaden der Häuser am Wegesrand, überall farbenfrohe Blumenkästen, und das alles umgeben von zahlreichen monumentalen Felsgipfeln.

Col Rodella
Der charakteristische Gipfel des Col Rodella von Canazei aus gesehen
Col Rodella Wanderweg
Beginn des Wanderwegs von Canazei zum Col Rodella

Knapp 1,5 Kilometer nach dem Verlassen des Campingplatzes lassen wir die Gebäude von Canazei hinter uns und wählen den Wanderweg Nr. 530. In diesem Moment beginnt der eigentliche Aufstieg – zunächst auf einer asphaltierten Straße, später auf einem Schotterweg und schließlich auf einem stimmungsvollen Waldpfad. Die Steigung ist von Anfang an beträchtlich und bleibt bis zum Ende so. Der Aufstieg zum Col Rodella erfordert die Überwindung von immerhin 1.000 Höhenmetern auf einer Distanz von nur 4 Kilometern. Zum Vergleich: Der Aufstieg auf den Rysy (Meerauge-Seite) in Polen hat sehr ähnliche Statistiken. Während man auf den höchsten Gipfel Polens jedoch größtenteils über Fels geht, hat der Aufstieg hier einen rein bergsteigerischen Charakter (sofern man nicht die Variante über den Klettersteig wählt). Man kommt also ordentlich ins Schwitzen, aber meiner Meinung nach lohnt es sich auf jeden Fall.

Die ersten 500 Höhenmeter bewältigen wir auf dem idyllischen Waldpfad. Der Weg hat vielleicht nichts besonders Außergewöhnliches an sich, aber dank der intensiv grünen Vegetation habe ich den Spaziergang als ein äußerst angenehmes Erlebnis in Erinnerung.

Col Rodella Wanderweg
Die grüne Umgebung des Wanderwegs Nr. 530
Col Rodella Wanderweg
Col Rodella Wanderweg
Erste Blicke auf die Punta Penia

Panoramawahn!

Auf offenes Gelände gelangen wir auf einer Höhe von ca. 1.950 m ü. M. Die Aussicht von hier ist fantastisch und erstreckt sich in südliche und südöstliche Richtung. Im Blickfeld haben wir ganz Canazei, die den Ort umgebenden Gipfel und vor allem unser gestriges Ziel – das Marmolada-Massiv mit dem einzigen Gletscher der Dolomiten. Das alles sieht bezaubernd aus, doch schnell stellt sich heraus, dass der Col Rodella noch viel mehr zu bieten hat. Nur wenige Minuten später eröffnet sich vor unseren Augen ein beeindruckendes Panorama auf die monumentale Felswand des Piz Boè. Was soll man sagen – es ist hier einfach wie im Märchen. Es bleibt nichts anderes übrig, als sich ins Gras zu legen, das Gesicht in die Nachmittagssonne zu halten und diesen außergewöhnlichen Moment aufzusaugen.

Col Rodella Wanderweg
Der Weg führt aus den Bäumen heraus!
Col Rodella Wanderweg
Canazei und Punta Penia
Col Rodella Wanderweg
Der Gipfel des Col Rodella. Man sieht hervorragend den Felsen, an dem der kurze Klettersteig verläuft.
Piz Boè
Piz Boè…

Der Wanderweg Nr. 530 führt weiter über eine weitläufige Almwiese, nimmt aber nun die Form eines festgefahrenen Schotterwegs an. Mühsam den steilen Hang hinaufsteigend, erreichen wir die erste Berghütte auf der heutigen Route – das Rifugio des Alpes (2.440 m ü. M.). Und dort? Dort staunen wir erneut… An der Hütte zeigt sich uns ein weiterer atemberaubender Blick – diesmal auf die markante Gestalt des nahen Langkofels (3.181 m ü. M.). Der Berg sieht einfach fantastisch aus, wie direkt von einer Postkarte oder aus einem Werbeprospekt. Ein großes, wirklich großes Wow!

Col Rodella Wanderweg
Aufstieg über den Grashang
Langkofel
Langkofel… beeindruckend, oder?

Der Gipfel des Col Rodella (2.484 m)

Das Rifugio des Alpes liegt in unmittelbarer Nähe der Bergstation zweier Sesselbahnen, was es vermutlich in der Wintersaison zu einem sehr beliebten und überfüllten Ort macht. Heute ist die Hütte jedoch fast leer, und auch wir verweilen dort nicht allzu lange. Der Col Rodella ist nämlich schon zum Greifen nah! Bevor wir den Gipfel erreichen, gelangen wir noch zwischen einsame Gebäude der Skisport-Infrastruktur, wo wir auf… ein Murmeltier stoßen! Das Nagetier flüchtet zwar sofort, als es unsere Anwesenheit bemerkt, doch für einen kurzen Moment huscht es vor unseren Augen vorbei. Wir verharren eine Weile in Stille, um das Tierchen zu ermutigen, sich noch einmal zu zeigen. Das Murmeltier bleibt jedoch hartnäckig, und uns bleibt nichts anderes übrig, als den Aufstieg fortzusetzen.

Die letzten Höhenmeter zu bewältigen, bereitet uns keine größeren Schwierigkeiten – bis zum Gipfel des Col Rodella führt ein ordentlich gepflasterter Weg. Kurz vor dem Gipfel bemerken wir einen Abzweig nach links – zum Zustiegsweg des Klettersteigs. Der Klettersteig wurde durch die felsige Nordwand des Col Rodella angelegt. Er ist zwar sehr kurz, gehört aber nicht zu den einfachsten – die Schwierigkeiten reichen bis C/D. Laut dem Online-Führer bergsteigen.com sollte man für die Begehung etwa 40 Minuten einplanen. Ein detailliertes Topo findet ihr unter diesem Link.

Col Rodella Klettersteig
Zustieg zum Klettersteig und der Fels, an dem die Route verläuft
Col Rodella Wanderweg
Col Rodella Hütte
Die Hütte direkt auf dem Gipfel des Col Rodella

Auf dem Gipfel des Col Rodella (2.484 m ü. M.) stehen wir eine Viertelstunde vor 13 Uhr, also etwa 4 Stunden nach dem Aufbruch in Canazei. Direkt am Gipfel befindet sich eine weitere Berghütte – das Rifugio Col Rodella. Der zweite Stock des Gebäudes ist eine große Aussichtsterrasse, die einen unglaublichen Blick in alle Himmelsrichtungen bietet. Das Panorama umfasst Dutzende unterschiedlich geformter Gipfel, doch wie meistens ziehen die höchsten die meiste Aufmerksamkeit auf sich – Punta Penia, Piz Boè und Langkofel. In der Hütte machen wir eine kurze Pause für ein Tiramisu und einen belebenden Espresso. Übrigens, egal wo man in den Dolomiten hingeht, der Kaffee hat einen sehr fairen Preis. Für einen Espresso zahlen wir etwa 1,50 Euro, was deutlich weniger ist als in den meisten polnischen Hütten.

Piz Boè
Blick vom Col Rodella auf den Piz Boè; im Vordergrund das Rifugio des Alpes
Canazei Panorama
Panorama vom Col Rodella auf Canazei; links der Sasso Beccé (2.534 m), in der Mitte die Punta Penia, Marmolada (3.343 m), rechts der Spiz de Soforcela (2.484 m)
Col Rodella Wanderweg
Panorama vom Col Rodella in westliche Richtung

Abstieg zwischen Dutzenden von Hütten…

Vom Col Rodella steigen wir wieder zum Rifugio des Alpes ab. Dann ändern wir jedoch unsere Route etwas und wählen den Wanderweg Nr. 529. Wir steigen über die Südhänge des Col Rodella ab, begleitet von einem märchenhaften Blick auf die steilen Türme des Langkofel-Massivs. Interessanterweise haben wir gleich drei weitere Hütten im Blickfeld! Was die touristische Infrastruktur angeht, kann man sich hier wirklich nicht beklagen. Zudem sieht man überall weite, offene Wiesen und die sich daran hinaufziehenden Skilifte. Eines ist sicher – Canazei muss ein erstklassiger Wintersportort sein.

Auf einer Höhe von ca. 2.300 m ü. M. biegen wir rechts ab – auf den Wanderweg Nr. 557, ein Teilstück des Fernwanderwegs Alta Via 9. In kurzer Folge passieren wir die Baita Miara Hütte, das Rifugio Salei und die Carlo Valentini Hütte. Bei der letztgenannten Hütte (oder eher Restaurant?) biegen wir rechts ab auf den Wanderweg Nr. 655.

Langkofel
Abstieg vom Col Rodella über die Südhänge und der einschüchternde Blick auf den Langkofel
Col Rodella Hütte
Das Land der tausend Hütten und tausend Berge…
Col Rodella Wanderweg
Der Col Rodella aus einer neuen Perspektive
Piz Boè
Spaziergang auf einem Teilstück der Alta Via 9

Rückkehr nach Canazei

Vor uns liegt ein längerer Abstiegsabschnitt, bei dem wir auf einer Strecke von 6 Kilometern 730 Höhenmeter verlieren. Mehrere Minuten lang gehen wir auf einem wunderschönen Schotterweg, der direkt durch grüne Almwiesen führt. Im oberen Teil der Strecke ist der Blick auf das Marmolada-Massiv am beeindruckendsten, im unteren Teil auf den Piz Boè. Obwohl wir uns an beiden Bergen heute schon sattgesehen haben, faszinieren die Panoramen weiterhin und verleiten dazu, ständig das Handy für ein Foto zu zücken.

Auf einer Höhe von ca. 1.750 m ü. M., nach etwa 3 Kilometern Fußmarsch ab der letzten Wegkreuzung, erreichen wir die ersten Gebäude von Canazei. Der Wanderweg Nr. 655 führt an der Talstation der Pradel-Rodella-Gondelbahn vorbei und verschwindet dann wieder im Wald. Es erwartet uns nun der letzte Kilometer des spürbaren Höhenverlusts – abwechselnd zwischen Bäumen und offenen Wiesen.

Col Rodella Wanderweg
Idyllischer Abstieg mit Blick auf die Marmolada
Col Rodella Wanderweg
Der Col Rodella vom Weg Nr. 655 aus gesehen
Col Rodella Wanderweg
Der Piz Boè vom unteren Teil des Weges Nr. 655
Col Rodella Wanderweg

Auf diese Weise führt uns der Weg zum Talgrund des Val de Antermon (einem Tal, das so schmal ist, dass das Wort „Schlucht“ nicht falsch wäre). Die nächsten anderthalb Kilometer steigen wir auf einem sanften Schotterweg ab. Es scheint ein recht viel besuchter Abschnitt zu sein, da wir auf unserem Weg zahlreichen Touristengruppen begegnen. Vorsicht geboten ist hingegen bei den Radfahrern, von denen eine recht große Zahl mit beträchtlicher Geschwindigkeit den Weg hinunterfährt. Wir verlassen das Tal direkt inmitten der eigentlichen Bebauung von Canazei. Das Ende des Trekkings begrüßen wir mit Erleichterung, da sich die Wettervorhersagen für heute Nachmittag bestätigen und bereits die ersten Regentropfen aus dem bewölkten Himmel fallen.

Piz Boè Canazei
Kleine Ada, großer Piz Boè
Val de Antermon
Abstieg auf dem Pfad im Val de Antermon
Canazei Gebäude
Ein Haus in Canazei

Die Tour beenden wir in einer charmanten Pizzeria gegenüber dem Camping Marmolada. Den Rest des Nachmittags verbringen wir damit, Pizza zu verdrücken und uns einen relativ günstigen Aperol zu gönnen. Ich persönlich wähle die Variante mit Speck – einer lokalen, Tiroler Schinkenspezialität. Am Abend kehren wir zu unserem Campingplatz zurück und beginnen mit dem ersten Packen. Es ist unsere letzte Nacht unter dem italienischen Himmel. Morgen bleibt uns nur noch die Besteigung des letzten geplanten Berges – des Piz Boè – und die lange Rückreise nach Polen.

Noch einmal kurz zum Gipfel des Col Rodella – ich kann euch diesen Berg von ganzem Herzen empfehlen. Wir haben den Gipfel recht spontan gewählt – weil er von Canazei aus gut aussah und einigermaßen nah war, was angesichts der Regenprognosen für den Nachmittag wichtig war. Zudem waren wir gestern auf der felsigen Marmolada und hatten heute Lust auf etwas Grüneres. Der Col Rodella hat die Erwartungen erfüllt und, um ehrlich zu sein, sogar etwas übertroffen. Die Aussicht war fantastisch, und der Kaffee in der Hütte schmeckte hervorragend.

Datum der Wanderung: 15. August 2025

Wanderstatistik: 14 km, 1.050 Höhenmeter

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Karte der Wanderung

Autor des Blogs, begeistert von Bergwanderungen und dem geschriebenen Wort.
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